By on Juli 31, 2017

Auch wenn ich die Berge verlassen habe, auch wenn es keinen Col mit WOW-Effekt gab, auch wenn ich die Strecke größtenteils bereits kannte, auch wenn es heiß war, auch … egal, einfach nichts hätte diesen überwältigenden Tag schlecht machen können.

Vorbereitungen Teil 2

Nachdem Tom mit den Pupsen gestern angekommen ist, haben wir angefangen die Rucksäcke monacogerecht umzupacken. Die schweren Wanderschuhe wurden durch leichte ersetzt, die Jesuspatscherln durch Stöckelschuhe, die lustig hinten an meinem Rucksack baumelten, die Wandershirts durch weiße Blusen, die lange Unterwäsche durch weiße Hosen und das rote Regencape durch ein Kleid, der Erste Hilfe Beutel durch ein Schminktascherl und die Stirnlampe durch Schmuck. Trotz allem war der Rucksack immer noch leichter als zuvor, ich packte ja nur für einen Tag.

Am Abend waren wir dann noch in der Auberge de La Madone genial essen, auf das habe ich mich schon seit dem ich dort eingezogen bin, gefreut. Ein richtig gemütlicher, langer Abend, der leider aber eine kurze Nacht bedeutete. Da es wiedermal sehr heiß werden sollte und wir schon ahnten, dass die Pupsen nicht begeistert sein werden, starteten wir die letzte planmäßige Wanderung des Sommerspaziergangs um 6:00, nachdem wir uns ein Müsli zum am Aussichtspunkt essen hergerichtet und Automatenkaffee getrunken haben.

Prinzipiell hätten wir laut Koomi 4h brauchen sollen, unterwegs waren wir 8h. Aber wir hatten am Weg auch einiges zu tun, nicht nur gemütlich mit Blick auf Monaco frühstücken. Es gab etliche Caches, die gefunden werden wollten. Leider sind wir in den Großstadtbereich eingedrungen und die Caches haben sich dementsprechend geändert. Man suchte nicht mehr in Steinmauern und Baumwurzeln, sondern an oft nicht so sauberen Plätzen neben der Strasse oder im Hinterhof. Ein solcher Cache, den wir dann aufgegeben haben, zwang mich anschließend dringendst ein WC aufzusuchen, um Hände zu waschen. Ich will gar nicht wissen, in was ich da hinein gegriffen habe. 🙁 Wir fanden ein nettes Kaffee, in dem wir gleich ein zweites Frühstück zu uns nahmen und einen guten Kaffee tranken.

Und dann ging es durch einen schönen Park, allerdings begleitet von dem Lärm der Großstadt, endlich nach Monaco. Zuerst konnten wir den Weg nicht wirklich finden. Eine Baustelle nach der anderen ließ uns Umwege machen und die Wandermarkierungen verlieren. Ich befürchtete schon fast unser Ziel – der exotische Garten, wo jeder Wanderer sich in DEM Buch der Via Alpina eintragen kann, wäre gesperrt. Zu Mittag betraten wir das letzte Land meiner Alpenüberquerung, um 12:30 saß ich wiedermal zu Tränen gerührt im exotischen Garten und war etwas überfordert. Ich wusste, dass ich mich in das Buch eintragen will, aber einen Text habe ich mir natürlich nicht überlegt. Noch dazu war die Kassiererin dort so irrsinnig nett. Sie ließ auch die Wuffis in den Eingangsbereich hinein, obwohl striktes Hundeverbot im Garten herrscht und brachte ihnen auch Wasser. Jede hat ihr eigenes Schüsserl bekommen. Sie gratulierte mir herzlichst zu meiner abgeschlossenen Wanderung, neben Tom eigentlich als Erste persönlich. Das habe ich gar nicht erwartet.

Dabei war es eine Kleinigkeit, verglichen zu der Reaktion der Leute im Hotel. Nachdem wir noch ewig in der Stadt herum geschlendert sind, auch auf der Suche nach Caches, kamen wir nach 8h, also definitiv mit dem schlechtesten Schnitt bisher, im Hotel an. Sie dürften nicht so oft Wanderer hier haben. Alle RezeptionistInnen und Concierge waren sehr an meinem Abenteuer interessiert. Als sie begriffen, wie lange ich unterwegs war, wie viele Kilometer ich gegangen bin, wieviele Höhenmeter ich überquert habe, waren die Reaktionen unglaublich. Gerade, dass sie mich nicht alle umarmten. Wir wurden in eine Junior Suite upgegradet und mit einer Flasche Champagner und Obst empfangen. Später, als wir in die Stadt spazierten, sprach mich der Concierge auf Roya an. Er hat meinen Blog bereits studiert gehabt und erzählte mir, dass seine Eltern 1946 in der Kirche von Roya geheiratet haben und er dort auch heiraten wird.

Glückszahl 7?

Durch den netten Empfang, die langen Plaudereien mit dem Hotelpersonal und den ungeplanten Champagnerempfang war der Tag schneller vorbei, als gedacht. Am Abend setzten wir dann zwei der vielen Programmpunkte, die ich auf der Monaco Liste habe, um:

  • Einen Vesper Martini trinkend, setzte ich im Casino auf die 7 und verspielte 45,- €.
  • Im Hafen aßen wir auf die Boote blickend leckeren Fisch.

Bevor es morgen wieder zurück zum Duki geht, steht auch noch Einiges auf der Agenda, wobei es vier Pflichtpunkte gibt:

  • Sonnenaufgang schauen
  • auf der Terrasse im Zimmer Frühstücken
  • Zehen ins Meer stecken und
  • Ansichtskarten im Café de Paris schreiben

Schauen wir, was sich sonst noch alles ausgeht!

Ich habe 103 Tage lang abwechselnd immer zwei Wandershirts angehabt. In den kühleren Wochen am Anfang die langärmlige Wintervariante, jetzt die kurzärmlige Sommervariante. Ab und zu wechselte ich am Abend nach dem Duschen in ein drittes etwas Wärmers oder noch kühleres ärmelloses. Das macht sechs unterschiedliche Oberteile für die ganzen 103 Tage. Dazu gab es drei unterschiedliche Unterteile: die Wanderhose und für nach dem Duschen entweder eine lange Unterhose oder eine Short. Schuhe gab es drei Paar, die Wanderschuhe, die Jesuspatscherln und die Pantoffeln. Mit all dem kam ich sehr gut aus. Heute zog ich mich allein vier mal um! Vom Wandergewandt, in gemütliches auf der Terrasse-Knotzen-Gewandt um, dann in ein in der Stadt-Herumschlender-Gewandt und schließlich in das Abendkleidchen. Letzteres brachte die größte Herausforderung mit sich: die Stöckelschuhe! Morgen bleibe ich definitiv den ganzen Tag in Flip-Flops!

Aller guten Dinge sind Drei

Nochmal mein dritter und letzter Aufruf von Vorgestern, für die, die erst heute wieder dabei sind:
Ich bin an sich kein Ansichtskartenschreiber, möchte aber unbedingt im Café De París sitzend Ansichtskarten aus Monaco schreiben! Ich habe natürlich nicht von allen, die mich hier in diesem Blog auf meiner Reise begleitet haben, eine Postadresse. Deshalb meine Bitte: wer eine Ansichtskarte bekommen möchte, möge mir entweder als Kommentar oder per Email an 
anna.potocka@apit.at seine Adresse schicken. Würde mich freuen, wenn es viele sind – es sind wieder neue dazu gekommen, darüber freue ich mich sehr!

Tagesstatistik
zurückgelegte km: 15,6km
überwundene Höhenmeter: 600 bergauf / 760 bergab
höchster Punkt: 620m – Aussichtsbankerl
tiefster Punkt: 0m – Hafen in Monaco
Stunden unterwegs: 11,5h

absolvierte Stages: 1
gefundene Geocaches: 6
davon T5: 0

Kosten: ?,-
Übernachtung für zwei Personen: 322,-
zweites Frühstück: 11,50
Pupsifleisch: 21,-
Abendessen für zwei: 157,-
Links

Fotos von heute
zur Unterkunftsbewertung
Hotel Columbus
Route auf Komoot

Route

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7 Comments
  1. Antworten

    Martin

    August 1, 2017

    Respekt & Congrats!

  2. Antworten

    Neo777

    August 1, 2017

    Toll, was für ein schöner Abschluss! Auch wenn das hier mein erster Kommentar ist, wir haben immer fleißig mitgelesen und mitgefiebert. Über eine Karte würden wir uns freuen:
    Peter Bentlage
    Zeppelinstr. 27
    81541 München
    Allemagne

  3. Antworten

    Biggi

    August 1, 2017

    Wow. Bin gerade in den Blog “gestolpert”, weil ich den Found-Log beim Cache gelesen habe.
    Respekt.
    Habe total fasziniert einige Tage des Blogs gelesen. Schwupps … schon eine Stunde vorbei. Ich werde weiterlesen. Schade, dass ich jetzt erst “am Ende” daraufgestoßen bin. Ich hätte gerne jeden Tag mitgefiebert.
    Super, dass es letztendlich geklappt hat.
    Ganz liebe Grüße (unbekannter Weise) aus Nürnberg

    • Antworten

      K2

      August 1, 2017

      Hallo Biggi.

      Schön, mal wieder von Dir zu hören/lesen.
      Off topic, aber auch Berge:
      Soll ich Dich diesmal auf die Liste der Vortragsinteressierten setzen, damit Du nicht wieder im Nachhinein enttäuscht bist ?

      Schöne Grüße vom Krimmler Tauernhaus,
      K2.

      • Antworten

        Biggi

        August 1, 2017

        Hallo K2.
        Ja gerne, bitte. Danke 🙂

  4. Antworten

    Julia

    August 1, 2017

    Liebe Ania, unbekannterweise (ich bin über FB bzw. geocaching auf deinen blog gekommen …) melde ich mich auch kurz zu Wort: Ich hab von Anfang an mitgelesen und mitgefiebert und die tollen Fotos bewundert (Fernweh inbegriffen)! Ich freue mich wirklich sehr, dass du dein Ziel erreicht hast! Herzliche Gratulation! Wirklich total beeindruckend was du da geschafft hast psychisch und physisch!
    Liebe Grüße aus Wr. Neustadt
    Julia alias „SleepnWolf“

  5. Antworten

    Volker

    August 1, 2017

    Hallo Ania,
    Ich lieg grad in Isola beim B&B in dem Zimmer, das du vor zwei Monaten auch benutzt hast und sehe, dass du den Cache schon geloggt hast. Ich möchte dir zum STF herzlich gratulieren und bin mir sicher, dass der Pate noch manchen Weitwandercache bereit hält.
    Liebe Grüße
    Volker

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Höhe statt Ferne

zur StoryView more

2017 war für mich das Jahr der weiten Wanderung – in 100 Tagen ging ich von Graz nach Monaco.

Als ich damals im Piemont am Monte Rosa vorbeigewandert bin, wusste ich … irgendwann werde ich diesen Gebirgszug nicht nur aus der Ferne betrachten. Aus “irgendwann” wurde “sehr bald” …

… und so habe ich 2018 meine Prioritäten anders gelegt und mich unter dem Motto “Höhe statt Ferne” kürzer, dafür höher nach oben orientiert und auf einer zweitägigen Tour meine ersten 4.000er Gipfel bestiegen und auf der höchsten Berghütte Europas übernachtet.

In meinem Tagebuch kannst Du über dieses besondere Erlebnis nachlesen.

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