Ein Sommerspaziergang Phase 3

Anna con due cani

By on Juli 12, 2017

Der Sonnengruss hat heute eine wörtliche Bedeutung bekommen. Wir starteten kurz nach 4:30 bei Dunkelheit mit Yoga auf der Terrasse des Agriturismo und waren fertig als es bereits hell war. Es war einfach unbeschreiblich schön zu sehen und hören, wie die Natur um uns herum langsam munter wird. Vor allem die Schwalben, die unter den Dächern des urig gemütlich verwinkelten Hauses ihre Nester hatten, sangen sehr laut ihr Morgenlied.

Nach einem “half-selfmade” Frühstück, für das alles vorbereitet war, man sich die Sachen aber selbst warm machen musste und auch das Geschirr selbst im Anschluß abwaschen und wegräumen sollte, starteten wir um 7:00 unser heutige Tour. Es war heftig, denn wir mussten uns auf über 2700m hoch arbeiten, dann wieder runter und das Ganze auch noch unter knapp 20km lang. Aber es war genial. Das Gefühl kurz vorm Pass zu sein, ist etwas, das man erleben muss. Die Endorphine schießen ein und man glaubt, man könnte Berge niederreißen oder in dem Fall überqueren.

Am Weg zum Pass trafen wir zum Glück einen Einheimischen, der uns zuerst überholt hat und dann aber Pause machte. Wir unterhielten uns kurz in einem Mix aus Spanisch, Französisch und Italienisch. Das muss sich total lustig angehört haben. Aber wir haben uns immerhin so weit verstanden, um zu wissen, dass er unlängst zwei Australier, die die GTA machten, traf und heute zum selben Pass wie wir ging, aber nur hin und zurück. Diese Info hat uns viel Zeit erspart. Wir haben uns nämlich unterwegs verlaufen. Der Vorteil zu zweit ist, dass vier Augen Markierungen suchen. Der Nachteil ist, dass man sich ab und zu mal verplaudert. Das ist uns heute passiert. Wir folgten zwar den rot-weißen Strichen, aber merkten nicht, dass wir auf einem Schneefeld falsch abgebogen sind und die Falschen im Visier hatten. Irgendwann fiel mir auf, dass unser einheimischer Schatten nicht mehr hinter uns war. Als wir nach ihm Ausschau hielten, war er gut 100m über uns auf einem anderen und in dem Fall richtigen Wanderweg. Also machten wir uns querfeldein  auf die Suche nach der richtigen Spur und fanden nach steilem Anstieg nicht nur den Weg, aber auch ganz viele Edelweiß! Man sieht, nichts passiert umsonst.

Wir holten unseren Retter kurz vorm Pass ein und gratulierten uns gegenseitig zu dem Aufstieg. Wir wollten ihm dann noch danken, dass er uns unbewusst den Weg wies, aber ich befürchte, dafür haben die Sprachkenntnisse nicht gereicht. Er versicherte uns ständig, er habe uns nicht gesehen. Dabei wollten wir ihm nur sagen, dass uns dadurch, dass wir ihn sahen, unser Fehler bewusst wurde.

Dann wurde mal gejausnet und wir verabschiedeten uns mit “Bon Voyage”. Der Abstieg war sehr mühsam, weil irrsinnig windig. Was für uns Zweibeiner fast schon unangenehm kalt war, hat den Vierbeinern genau gar nichts gebracht. Sie spürten den Wind kaum und leidete unter der starken Sonne und Hitze. Ab ca. 1h vor dem Ziel fing Ryoko an zu streiken und legte sich in jeden Schatten, der am Weg war. Ganz nach dem Motto, ich bin nun fertig mit der Wanderung, bitte abholen. Was im Endeffekt auch passierte. Das Posto Tappa, welches uns heute beherbergen sollte, bietet ein Abholservice an, sobald man den Wanderweg verlässt und die Straße erreicht. Denn das letzte Stück bedeutet 2h entlang der Asphaltstraße. Das haben wir natürlich genützt und fuhren ca. 15 Minuten auf einer kurvigen Straße hinten auf einem PickUp. Während es den Hunden vielleicht nicht ganz so gefallen hat, fanden wir es echt super. In Österreich würde man sich das nie trauen.

Die Eiscremetafel im Posto Tappa entschied die heutige Nachmittagsjause. Wir haben zwar unterwegs kein nettes Badeplätzchen gefunden, das dafür mit einem Magnum und Latte Macchiato kompensiert … und zwei Aperol Spritz.

Es schien also eigentlich der perfekte Wandertag zu sein. Aber es gab noch eines zu tun, vor dem ich schon etwas Angst hatte. Ich habe bis inkl. Samstag bereits die Unterkünfte durch reserviert. Nun waren die Sonntags- und Montagsetappe dran, beide relativ kurz und angenehm, endeten allerdings in Rifugios des CAI (Club Alpino Italiano), welcher nicht sehr hundefreundlich ist. Meine Anrufe bestätigten mir meine Befürchtungen. Sie nehmen uns mit den Hunden nicht und es gibt auch keine Winterräume oder andere Möglichkeiten dort zu übernachten. Irgendwie war es klar, dass früher oder später der Dämpfer kommt, denn bis jetzt lief ja wirklich alles wie am Schnürchen. Ab und zu hat es uns mal eingeregnet, aber sonst … ganz ehrlich, war bis dato alles perfekt. In dem Fall lässt sich das Problem ja irgendwie lösen. Aus zwei 4,5h Etappen, machen wir eine 9h Etappe und gehen dann noch 1h weiter und kommen an einen See, wo es mehrere Unterkünfte gibt. Eine davon wird uns schon nehmen. Zu zweit trau ich mich die Strecke auch bei Hitze mit den Hunden gehen. Notfalls machen wir eine längere Pause und gehen am späten Nachmittag weiter. In den Rifugios können wir zwar nicht übernachten, aber draussen zum Essen werden wir uns ja hinsetzen dürfen. Aber was mache ich dann, wenn Tom weg ist und ich vor so einer Situation allein stehe?

Aus meinen negativen Gedanken konnte mich heute nur Pierre holen, der Besitzer des Agriturismo. Er war einfach beim Abendessen super drauf und brachte alle zum Lachen. Für ihn war ich “Anna con due cani” – das ist der Name auf den ich normalerweise reserviere, wenn ich reservieren kann – und jedesmal wenn er mich angesprochen hat, hat er das auch so gesagt. Wir verhandelten wegen dem Frühstück und ich hab total verloren. Ich startete bei 6:00, er bei 8:00. Am Ende des Abends stand fest, Frühstück gibt es um 7:30 und das nannte er einen fairen Kompromiss! Aber seine Argumente waren schlüssig. Wir hatten nur eine 4h Tour durch einen schattigen Wald vor uns und mal wieder länger schlafen, später aufstehen und gemütlich frühstücken würde nicht schaden.

Tagesstatistik
zurückgelegte km: 20km
überwundene Höhenmeter: 13500 bergauf / 1360 bergab
höchster Punkt: 2713m – Colle dell’Albergian
tiefster Punkt: 1370m – Balsiglia
Stunden unterwegs: 7h

absolvierte Stages: 1
gefundene Geocaches: 0
davon T5: 0

Kosten: ?
2x Übernachtung inkl. Frühstück: ?
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Fotos von heute
zur Unterkunftsbewertung
Agriturismo La Miando
Route auf Komoot

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Höhe statt Ferne

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2017 war für mich das Jahr der weiten Wanderung – in 100 Tagen ging ich von Graz nach Monaco.

Als ich damals im Piemont am Monte Rosa vorbeigewandert bin, wusste ich … irgendwann werde ich diesen Gebirgszug nicht nur aus der Ferne betrachten. Aus “irgendwann” wurde “sehr bald” …

… und so habe ich 2018 meine Prioritäten anders gelegt und mich unter dem Motto “Höhe statt Ferne” kürzer, dafür höher nach oben orientiert und auf einer zweitägigen Tour meine ersten 4.000er Gipfel bestiegen und auf der höchsten Berghütte Europas übernachtet.

In meinem Tagebuch kannst Du über dieses besondere Erlebnis nachlesen.

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