Ein Sommerspaziergang Phase 2

Baumriesen, Wasserungeheuer, Schneemonster und ein Schafbock

By on Mai 30, 2017

Der heutige Tag hat etwas stressig und ungut begonnen, ich hoffte nur, dass nicht gleich das nächste Tief käme. Ein Tag Hoch ist zu wenig!

Wir mussten wieder ein bisschen tricksen. Roveredo hatte in diesem Tal die letzte Unterkunft, die Hunde nahm und bis zum Beginn des Aufstiegs wären es noch 27km gewesen, mit den für heute geplanten 14 km über 1200Hm an einem Tag also nicht schaffbar. 😞

Wir wollten den Radweg also mit dem Bus um 8:24 machen. Der Frühere ging sich leider nicht aus, da ich noch Fleisch für meine Wuffis besorgen musste und der Coop erst um 8:00 aufsperrte.

Wegen der knappen Zeit zwischen Aufsperren des Supermarkts und Einfahren des Busses in der Station war alles durchgeplant: zuerst Lokalaugenschein bei der Bushaltestelle, dann schnell zum Coop rein, Huhn schnappen und wieder raus und zum Bus düsen. Gottseidank wollte ich mir vorher die Bushaltestelle anschauen, denn als ich um 7:44 dort stand, war ein großes X auf dem Fahrplan und irgendwas von 17.3.-30.7.2017. Gar nicht gut, gar nicht gut. Schnell sind wir zurück zum Coop, um mich dort ins gratis WLAN einzuloggen und die nächste Bushaltestelle rauszusuchen. Roveredo kann zwar sonst nichts, hat aber zumindest zwei Stationen. Um 8:03 war ich also mit meinen Einkäufen fertig und um 8:07 auf der Bushaltestelle, um 19 Min auf den Bus zu warten. 😉

Im Bus eingestiegen, legte sich Ryoko sofort zum Schaffner, der sich sehr aufregte und auch sehr erzürnt war, dass Vaishavi ein bisschen Fell auf den Stiegen hinterlassen hat. Er hat mich nicht sehr freundlich vollgequatscht. Ich war irgendwie froh, dass ich nichts verstand. Und das Ganze für 22,-.

Das Tricksen geht weiter

Leider wird es nicht das letzte Mal gewesen sein. Bereits im übernächsten Tal muss ich auf ähnliche Mittel zurückgreifen. Die Unterkunft direkt nach dem Abstieg, wo meine Vorgänger übernachteten, hat Teppiche und nimmt keine Hunde, hat mir aber eine 10km weiter liegende empfohlen. Diese meinte, sie würden einen Hund nehmen, aber zwei, dass will sie einfach nicht und hat aufgelegt! Einfach so! Das waren meine Frusttränen gestern, aber Vaishavi meinte ja, dann wir fahren einfach mit dem Bus zur nächsten …. So einfach ist das Busfahren halt auch nicht. 😞

Wann entscheidet man umzukehren?

Wir sind in Pian San Giacomo ausgestiegen und folgten dem Wanderweg statt Koomi, zum Passo dela Serraglia, Passo Baldiscio, Laghetto del Mot und Lago Grande, sprich am Weg lagen zwei Pässe und zwei Seen. Diese klangen sehr vielversprechend für heute … und sie boten noch viel mehr.

Bevor wir auf den schönen Waldwanderweg abbogen, musste ich noch eine kleine Über-den-Zaun-Klettereinlage machen. Der erste Cache am Weg war auf einer Autobahnraststation, die vom Wanderweg nicht zu betreten war. Hätte jeder so gemacht – Du stehst da, das App sagt nur noch 3,4m, Du siehst den Petling schon und kommst nicht hin! Dafür konnte ich dort gleich mal die erste Pipipause erledigen.

Und dann begannen wir den sehr abwechslungsreichen und spannenden Aufstieg.

Zuerst kamen die Baumriesen, die uns den Weg versperrten. Aber das sind wir ja schon gewohnt. Nur, dass hier die Wanderwege nicht noch nicht bereit sind, sondern wahrscheinlich nie wirklich bereit sein werden. Offenbar waren ähnliche Verhältnisse 2014, denn der Owner hat mich davor gewarnt. Aber das schafften wir mit links und sogar als ich Ryoko abhängen musste, ließ sie sich wieder mit einem Leckerlie locken und anleinen. Wir machen Fortschritte!

Eine komplett neue Herausforderung stellte das Element Wasser heute dar. Zuerst kämpften wir bei einem Übergang über einen Wasserfall. Es war zwar ein Holzsteg drüber gelegt, aber die Bretter waren nicht nur sehr weit auseinander, sondern auch sehr rutschig. Ich war wiedermal sehr froh über die Brustgeschirre und half Ryoko an diesem hebend und führend auf die andere Seite. In der Zwischenzeit hat Vaishavi beschlossen, den direkten Weg zu gehen und den Steg auszulassen und hat aber die Strömung etwas unterschätzt, sich erschrocken und wollte wiedermal umdrehen und zurück gehen. Also auch sie am Brustgeschirr geschnappt und auf die andere Seite geleitet.

Der Aufstieg zum ersten Pass wurde von einer wunderschönen Wiese mit einem Wasserfall und doch größerem Bach belohnt. Ein richtig romantisches Plätzchen, wo wir auch unsere erste Rast machten. Ryoko legte sich sofort mitm Bauch ans Ufer, das mag sie ja und ich genoss auch den Wassernebel des Wasserfalls. Es hatte immerhin unten knapp 30°C und hier oben war es auch sehr warm und die Sonne prallte herunter.

Dann ging es ein Stückchen weiter und wir mussten über eine ähnliche Wiese, allerdings ging der Wanderweg am rechten Bachufer weiter. Bach ist hier vielleicht fast schon untertrieben, denn durch den schmelzenden Schnee war mächtig viel Wasser in Diesem. Ich bin das linke Ufer auf der Suchen nach einer Möglichkeit, diesen trockenen Fußes zu überqueren drei Mal abgegangen und wurde nicht fündig. Für mich hätte ich vielleicht noch eine Stelle gefunden, wo ich mit viel Schwung rüber hätte springen können. Aber die Hunde? Keine Chance, dass die da allein rüber kommen, nicht weil sie es nicht könnten, sondern weil sie es nicht wollten und nicht würden. Dazu gibt es eine Sidestory auf FB (https://www.facebook.com/pg/Shiroi-Kiba-Akita-Inu-Zucht-331624710214535/photos/?tab=album&album_id=1406439976066331). Aber es war ja eh heiß und die Sonne schien, also so ein kleines Kneippbad konnte nicht schaden – Schuhe und Socken ausgezogen, in der kurzen Hose war ich eh unterwegs und drei Mal den Bach gequert, zuerst mit Rucksack, dann mit Ryoko und dann mit Vaishavi.

Ein paar Höhenmeter hatten wir aber noch zu überwinden und irgendwann waren sie dann da, die Schneefelder, denn ganz so grün, wie es von unten ausgeschaut hat, war es dann doch nicht. Da oben ist noch genug Schnee zum Schmelzen da. Zuerst wechselten sie sich noch mit grünen Wanderwegen und kletterbaren Felsen ab, aber irgendwann, also um genau zu sein vom zweiten Pass bis hinter den zweiten See war einfach nur mehr alles weiss. Die Überquerung war also sehr spannend, teilweise trat ich mir den Weg zurecht, teilweise versank ich bis zum Popsch mit einem Bein im Schnee, weiter geht ja dann gsd nicht, teilweise war ich sogar auf allen Vieren unterwegs – und das Ganze passierte ohne Gamaschen und in der kurzen Hose, aber es war so warm, dass es echt kein Problem war. Wenn das Wetter nicht so schön gewesen wäre, hätte es wohl anderes ausgeschaut.

Ein kleine Krise hatte ich dann schon, als der Wanderweg wieder auf das andere Ufer wechselte, denn der Fluss, man kann das wirklich nicht als Bach bezeichnen, war ja immer noch da. Diesmal musste ich viermal kneippen, da ich die Hunde dazwischen mit den Wanderstöcken im Schnee festmachte. Ich hatte nämlich die Befürchtung, dass sie mir sonst abhauen, wenn sie sehen was da nochmal auf sie zukommt.

Gefährlich war es nie, der Schnee war nicht so, dass man stecken bleiben konnte, die Hänge rund herum nicht so hoch, dass irgendwie Lawinengefahr bestand, wir folgten Koomis Karte, denn Wandermarkierung waren natürlich keine sichtbar, aber somit war auch nicht die Gefahr, dass wir in irgendeiner Spalte versinken.

Ob ich überlegt habe umzukehren? Ich habe mir überlegt, wann denn der richtige Zeitpunkt für so eine Entscheidung sein könnte. Ich war mir aber sicher, dass sobald wir hinter dem zweiten See anfangen abzusteigen, auch der Schnee verschwinden wird und somit war ein Ende in Sicht. Und als es dann wieder grün wurde, war es so ein geniales Gefühl, es geschafft zu haben, da machten auch die nassen Schuhe nichts. Klar hatte ich dazwischen Angst, war dann sehr froh, in den Weiten des WWW auffindbar zu sein, denn wir kamen ja über die italienische Grenze und ich schaltete meinen Router ein. Somit war ich dann auch ortbar und Tom nur ein paar hundert km entfernt. 🙂

Auch wenn es schon spät war, die Passüberquerung hat uns gut 3h gekostet, machten wir eine Rast auf der Alpe di Borghetto, wo ich dann nasse Socken gegen kurzzeitig trockene Socken tauschte. Und da hatte ich dann wirklich Angst, denn wir mussten durch ein Feld voller Schafe durch und während alle anderen Tiere uns aus dem Weg gingen, fixierte ein Schafbock die Hunde und die Hunde ihn. Aber auch diese Hürde haben wir bewältigt und kamen nach 9h in B&B Isola an, wo ein gemütliches Zimmer auf uns wartete, die Hunde sich auf dem Balkon trocken sonnen konnten und ich mit Hilfe eines Föns auch meine Schuhe trocken bekam, eine Küche zum Futter herrichten zur Verfügung stand und ich dann glücklich und zufrieden drei Häferln heiße Schoko trank.

Tagesstatistik
zurückgelegte km: 16
überwundene Höhenmeter: 1190 bergauf / 1090 bergab
höchster Punkt: 2362m – Passo di Baldiscio
tiefster Punkt: 1170m – Pian San Giacomo
Stunden unterwegs: 7

absolvierte Stages: 1
gefundene Geocaches: 4
davon T5: 0

Kosten:
davon Übernachtung: 50,-
Essen für Tiere:
Links

Fotos von heute
zur Unterkunftsbewertung
B%B Isola
Route auf Komoot

Route

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2 Comments
  1. Antworten

    Apollo

    Mai 31, 2017

    Oh Mann, was du alles an einem Tag erlebst und schaffst!

  2. Antworten

    Astrid

    Mai 31, 2017

    Mir fällt im Moment auch nicht mehr viel dazu ein außer: genial!

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Höhe statt Ferne

zur StoryView more

2017 war für mich das Jahr der weiten Wanderung – in 100 Tagen ging ich von Graz nach Monaco.

Als ich damals im Piemont am Monte Rosa vorbeigewandert bin, wusste ich … irgendwann werde ich diesen Gebirgszug nicht nur aus der Ferne betrachten. Aus “irgendwann” wurde “sehr bald” …

… und so habe ich 2018 meine Prioritäten anders gelegt und mich unter dem Motto “Höhe statt Ferne” kürzer, dafür höher nach oben orientiert und auf einer zweitägigen Tour meine ersten 4.000er Gipfel bestiegen und auf der höchsten Berghütte Europas übernachtet.

In meinem Tagebuch kannst Du über dieses besondere Erlebnis nachlesen.

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