Höhe statt Ferne Vorbereitungen

Vorbereitung Teil 3 – Gletscher

By on Juli 1, 2018

Heute sollte der echte Probelauf sein. Eine gewaltige, abwechslungsreiche Tour stand an. Wir waren alle schon etwas nervös, nicht nur Thomas, Tom, Vaishavi und ich, sprich die Tourteilnehmer, sondern auch Kai, der noch einen Sprung auf die Gliederscharte lief, bevor es nach Hause ging.

Ich wollte natürlich so früh wie möglich weg, aber Isolde ließ sich nicht beknien. Wir zwei sind einfach nicht auf einer Welle. Ich konnte aber mit Sonjas Unterstützung 7:00 mit altem Brot herausschlagen. Wir waren schon um 3/4 da und durften um 6:55 auch tatsächlich rein. Die gute Nachricht war, dass der Bäcker bereits da war, d.h.doch kein altes Brot und als Draufgabe bekamen wir heute sogar ein weiches Ei.

Dann kam der Abschied. Für Kai, der aber vorher noch einen Sprung zur Gliederscharte machte, Annette und Stefan ging es nach Hause. Martin wanderte weiter Richtung Graz. Heute ging es für ihn auf die Europahütte,  auch noch ein offenes ToDo für mich. Mit vielGlück sehen wir ihn in Alagna wieder. Natürlich gab es auch schon den nächsten Wiedersehensplan mit den Nürnbergern: am 07.09.2018 findet unser „2. Posto Tapa – Kunuku Geocaching Event! Danach wurde noch schnell gepackt bzw. umgepackt und um 8:15 waren wir bereits bei der 3. Kehre. Etwas angespannt zog ich mir die Schuhe an, denn erst dann wären eventuelle Druckstellen wirklich zum Vorschein gekommen. Aber sie saßen perfekt, also eine Sorge weniger! Ich hatte sogar ein bisschen das Gefühl, sie wären etwas weicher geworden.

Ein Winterraum am Weg

Bei der ersten Planung der Hochfeilerbesteigung wollten wir auf der überall vorgeschlagenen Hochfeilerhütte übernachten. Wie ich dann buchen wollte, stellte sich heraus, dass diese im Sommer 2018 nicht bewirtschaftet wird. Die nächste Hütte „am Weg“ ist die Edelrauthütte, was die Tour gleich mal um 2h / 4,5km / 210hm verlängerte. Aber wir wollten ja eh trainieren, also kam mir eine lange Tour sehr gelegen. Thomas ist so oder so bei allem dabei, nicht unbedingt, weil er auch auf lange, anstrengende Touren steht, sondern, weil er meine zig Informations Whats App Nachrichten nicht sehr intensiv studiert, um nicht zu sagen nicht gelesen hat. Trotzdem war unser erstes Tagesziel die Hochfeilerhütte, um genau zu sein, ihr Winterraum. Zu meiner großen Überraschung nimmt die Edelrauthütte nicht nur Hunde, sie bewirbt das sogar. Deswegen begleitete uns Vaishavi überhaupt ins finschtere Tal. Nach dem gestrigen Entspannungstag mit Martin, Kai, Annette und Stefan, freute sie sich heute schon auf eine schöne Wanderung, vor allem aufgrund der vielen Murmeltiere. Da war die Motivation gleich mal sehr groß und sie lief brav vorne weg. Trotzdem wollten wir ihr die Gipfelbesteigung nicht antun und brauchten eine Möglichkeit, sie während dessen unterzubringen. Da bot sich der Winterraum der Hochfeilerhütte an. Nach 2h40 Aufstieg war Vaishvai auch bereit für die erste Rast. Wir packten die Rucksäcke um, Tom ließ seinen da, mit allem was man auf einem Gipfel nicht braucht. Ich packte in meinen
– meine Steigeisen
– von Kai für Tom geborgte Grödeln
– Jacken
– Handschuhe
– Hauben
– Seil
– Expressschlingen
– Bandschlingen
– Karabiner
– Und natürlich den Gipfelschnaps
Für etwaige Mitwanderer, die auch den Winterraum als Ziel hatten, schrieben wir noch einen Zettel, der Vaishavi vorstellte und erklärte, dass wir kurz talauf den Hochfeiler besteigen.

Unser erster Gletscher

Zugegebenermaßen mit einem etwas komischen Gefühl ließ ich Pups zurück und wir begannen den Anstieg. Wir starteten bereits auf 2700m, d.h. im Alpinen Bereich. Schnell wurde der Weg geröllig und auch etwas ausgesetzt. Wie immer war ich der Überzeugung unser Ziel ganz wo anders zu sehen. Diese schneeweiße Spitze links von uns schien wirklich plausibel. Bis irgendwann Thomas das wahre Ziel entdeckte. Auf einer steilen, schneebedeckten Pyramide stand ein winziges Kreuz. Wow, da sollen wir rauf?! Die Fotos im Internet schauten nicht ganz so extrem aus. Der Weg bis zum Hochfeiler war noch weit, so klein wie das Kreuz wirkte. Wir konnten uns eigentlich nicht vorstellen, wie wir die beschilderten 2,5h halten sollten, vor allem weil ich den gestrigen Tag etwas in den Unterschenkeln spürte.
Aber tatsächlich standen wir nach 2h vor dem weißen Grat und statteten uns entsprechend aus. Bis auf die ganz dicke Daunenjacke verwendet ich alles was ich mit hatte, der Wind war einfach unerträglich und wie es sich für einen stattlichen Gipfel gehört, war er nie im Sonnenschein. Sonst würde er vielleicht sogar noch harmlos wirken. Mit den Steigeisen und auf eispickellänge gekürzten Wanderstecken war der Anstieg überhaupt kein Problem. Zumindest für mich nicht. Der Schnee war griffig und der Wind hörte rechtzeitig auf. Sehr erstaunt war ich, dass ich in meinen neuen für über 4000m geeigneten Schuhen die Kälte des Schnees spürte. War jetzt nicht schlimm, aber die Investition in dicke und mega dicke Wandersocken war sicher richtig. Heute hatte ich nur die ganz dünnen an.

Die Spitze der Schneepyramide war überraschend schneller erreicht und wie es sich für eine Spitze gehört, auch sehr spitz. Kaum genug Platz war für uns drei und die Nächsten waren uns dicht auf den Fersen. Während Tom und Thomas sich an das Gipfelkreuz kuschelten, machte ich Fotos. Langsam nimmt die Anzahl an Apps bei denen ich einen Gipfel einchecken möchte etwas überhand

– das Highlight Foto für Koomi
– das Gipfelfoto für SymmitLynx
– das Höhenfoto für den runtastic Altimeter
– das obligatorische WhatsAppFoto für diverse interessierte Chat Gruppen.
Nun, mein iPhone war auch der Meinung und stürzte ab, gefolgt von einem kurzen Panikanfall meinerseits. Nicht die Höhe macht mir zu schaffen, nicht der Grat oder die Kälte… aber wehe mein iPhone ist weg. An dem muss ich wohl als nächstes arbeiten.

Oben war sowenig Platz, dass sich nicht mal ein ganzes Foto ausging.

So unspannend der gestrige Gipfel war, machte der Hochfeiler heute alles wieder gut. Die Aussicht war unglaublich …vor allem das Gletschereis, das sich östlich von uns erstreckte hat es mir angetan. Ich hatte schon seine Vermutung, dass wir da heute noch drüber mussten. Der Respekt wuchs.

Allzu lange wollten wir aber nicht verweilen, denn es wurde auch langsam eng, mit den zwei Italienern, die sich nun auch um das kleine Platzerl um das Gipfelkreuz bemühten. Ausserdem wartete Pups unten! So schnell es der steinige Weg und die unglaubliche Fotokulisse erlaubte, „liefen“ wir also bergab. Erst nach einem Pläuschchen mit einem uns entgegenkommenden Tiroler, war ich etwas beruhigter. Er war sich nicht sicher wer sich mehr erschrocken hat, Vasihavi oder er, als er die Tür vom Winterraum öffnete und ihm ein weißer Wolf in die Augen schaute. Nachdem er Toms Rucksack sah und den Zettel las, war er aber beruhigter und nach kurzen Streicheleinheiten verließ auch er Pups. Sie war jedenfalls sehr froh, als wir dann nach insgesamt 4h wieder in der Hütte waren und nach einer kurzen Jause, die letzte Etappe für heute angingen.

Sehr lange 1,5h

Das Wanderschild versprach uns, dass wir in 1,5h bei einem Radler und verdientem Abendessen auf der Edelrauthütte sitzen würden. Vorstellen konnten wir uns das nicht. Auch Koomi meinte mindestens 2h wären notwendig. Beide wussten wohl nichts von den Murenabgängen, die die Wanderwege zerstörten, den Geröllfeldern, den Schneefeldern, dem beeindruckenden Gletschereisfeld (welches aktuell sicher zu den meistfotografiertesten der Welt zählt 🙂 ) … ah ja, und auch nicht von dem durch Stahlseil gesicherten, nicht hundetauglichen Abschnitt kurz vorm Pass.

Wow-Effekt

Am Pass angekommen, war er wieder da, der von der GTA bekannte Wow-Effekt. Es ist, wie wenn man von einer Welt durch ein geheimes Tor in eine andere Welt schreitet. Die harte, schroffe, grau-weiße Gletscherlandschaft verwandelte sich in eine saftige, blühende grüne Bergseelandschaft. Einfach wunderschön, so abwechslungsreich! Auch Vaishavi war froh, denn sie pinkelt nur auf Gras und bei den vielen leckeren Bergbächen am Weg war die Blase ziemlich voll.

Hüttenfeeling

Ich war sehr froh, dass ich gestern noch auf der Hütte unsere heutige Ankunft bestätigte und als wir endlich wieder Netz am Pass hatten, rief ich nochmals an, um zu sagen, dass wir so gut wie da sind. Meine größte Sorge zu der Zeit war nämlich, dass wir a) kein Zimmer mehr bekommen, wo auch Pups rein darf und b) es nichts mehr zum Essen geben würde. Aber als wir endlich nach 2,5h beim heutigen Tagesziel ankamen, empfing uns Katrin auf der Terrasse. Sie hielt bereits nach uns Ausschau. Und auch wenn es Abendessen nur bis 19:00 gab, bekamen wir nach dieser elfstündigen Tour unsere Radler, ein geniales Abendessen, ein Schnapserl oder auch zwei, eine heiße Dusche und ein Bett.

Der Tag war einfach perfekt! Und eines ist nun auch klar: wir sind für den Monte Rosa bereit!

Tagesstatistik 01.07.2018
zurückgelegte km: 15,9km
überwundene Höhenmeter: 2000 bergauf / 1150 bergab
höchster Punkt: 3510m – Hochfeiler
tiefster Punkt: 1700m – 3.Kehre Stein
Stunden unterwegs: 11h
Route

Links

Fotos von heute
Edelrauthütte

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2 Comments
  1. Antworten

    K2

    Juli 2, 2018

    Ich hoffe. Martin war NICHT so durcheinander und desorientiert, daß er wirklich wieder Richtung Graz gelaufen ist.
    Bei mir kam er jedenfalls nicht vorbei, wenn dann muß er Vaishavi gefolgt sein … 😉

    Sonnige Grüße und einen guten Weg über die Gaisscharte
    K2.

    • Antworten

      weltraumaeffchen

      Juli 5, 2018

      hihi, natürlich geht er Richtung Monaco und ich hoffe, wir sehen ihn in Alagna wieder 🙂

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