By on Juli 13, 2018

Hier waren wir schon vor vier Wochen mal und haben uns verliebt … ein eher ruhiges Gebiet, in dem es kaum Touristen gibt, welches aber von der Infrastruktur trotzdem sehr gut ausgebaut ist und dabei unberührt bleibt, ein Naturerlebnis mit viel Abwechslung: das Gesäuse.

Der zweitägige Ausflug war zwar angedacht, aber nie fix. Irgendwie sind wir seit Ostern ständig auf Achse. Ein Wochenende zuhause wäre auch mal schön gewesen. Gibt ja auch genug zu tun:

  • von unangenehmer Hausarbeit (wir versinken im Chaos)
  • über schöne Gartenarbeit (wir sind von Dschungel umgeben)
  • bis hin zur aufregenden Wurfkistenplanung (wir sind ganz aus dem Häuschen).

Als Donnerstag Vormittag die Nachricht von Tom kam, er hätte den Freitag frei, plante ich sofort die nächsten Touren. Packen mussten wir nicht viel, unser Kletter-, Wander-, Geocaching- und Wasserequipment ist schon fix im Duki jederzeit für die nächste Tour bereit.

Da Ryoko bereits in der Schonphase ist, was so viel bedeutet, wie sie darf die normalen Alltagsbelastungen gehen, aber keine extremeren Touren, nützen wir die Chance und konzentrierten uns auf die nicht-hundetauglichen Aktivitäten.

Für Freitag bedeutete das eine 9h Tour über einen I-II ungesicherten Klettersteig zur Planspitze (2170m) und dann über den gesicherten leichten Wasserfallweg wieder runter. Die Pupsen durften inzwischen im Wohnmobil chillen. Das Gesäuse ist ja dafür perfekt, da es hier immer etwas kühler ist und im Tal auch entsprechend schattiger. Der gewählte Endpunkt der Tour, wo wir das Wohnmobil abstellten und uns mit Tom trafen, war auch fast durchgehend frei von Sonne. Also brauchte ich mir da keine Gedanken machen. Der gut isolierte Duki beherbergte meine zwei Süßen im Kühlen.

Berggämse

Um 4:00 in Wien los und nach einem kurzen Minispaziergang mit den Pupsen starteten wir also um 8:22 von einem kleinen Parkplatz Richtung Haindlkarhütte und wurden kurz darauf von der Wirtin überholt. Wow … und ich dachte, ich sei schnell. Wie eine Berggams flitzte sie den gerölligen Weg hinauf. Nur nicht die Steilwand, da stand nämlich eine echte und wir fragten uns wie sie es schafft, auf einem so kleinen Felsvorsprung herum zu balancieren.
Da wussten wir noch nicht, dass wir zwei Stunden später in ähnlicher Lage sein würden. Aber zuerst stärkten wir uns noch mit leckeren Kuchen bei der erwähnten Wirtin.

Der Zustieg zum Peternpfad war mit 2h ausgewiesen, da es sich aber um einen ungesicherten Steig handelte, wussten wir eigentlich die ganze Zeit nicht, ab wann wir auf diesem waren. Es war zuerst nur geröllig, dann steil und geröllig, dann eng, steil und geröllig und zu guter Letzt ausgesetzt, eng, steil und geröllig. Erst kurz vor der Peternscharte, sprich am Ende des Steigs war ein entsprechendes Schild. Aber zumindest war der Weg wirklich gut durchmarkiert, ganz anders als der ungesicherte Stadlwandgrat am Schneeberg, den wir mit Tom und Sonja vor drei Wochen unter anderem aufgrund fehlender Markierungen abgebrochen haben.

Von der Scharte ging’s nach rechts aufs Hochtor (2369m), das hoben wir uns aber für’s nächste Mal auf und gingen nach links auf die Planspitze (2170m). Wie immer war die Freude groß, als wir das Gipfelkreuz zum ersten Mal erblickten. Dann verschwand es wieder, so steil war der Zustieg. Als es wieder zu sehen war, war es zum Greifen nahe. Die Freude war aber schnell weg. Oben wurden wir vom Inbegriff einer Quasseltante empfangen. Eine Wanderin, die auch festgestellt hat, dass im Gesäuse kaum wer unterwegs ist. Sie hat uns bzw. vor allem Tom sofort vereinnahmt und zum Fotos von sich machen lassen eingeteilt. Ich bin ja prinzipiell ein sehr geselliger Mensch, aber das war mir zu viel. Sie ließ einfach nicht locker, ließ uns kaum Luft, erdrückte uns mit Fragen, Geschichten und Freundlichkeiten. Als Tom und ich ein Foto auf dem Gipfelkreuz, ja auf … nicht davor, machten, wollte sie dann unbedingt a) auch eines von uns b) ebenfalls rauf. Sie wollte uns unbedingt ihre Cabanossi schenken, denn sie würde sie so oder so nur wegschmeißen. Warum schleppt sie die dann mit auf den Berg?! Jedenfalls bekam ich außer der Kletterei auf’s Gipfelkreuz nichts vom Gipfel selbst oder der Aussicht mit. Ich wollte nur flüchten. Erst eine Stunde später, kurz vor dem Wasserfallweg, konnte ich wieder runterkommen und genießen.

Der Abstieg war auf einem mit Leitern unterstützten und teils gesicherten Weg, sehr schön, aber steil und für die Knie beider Toms sehr belastend. Trotzdem waren wir nach 8,5h beim Duki. Dass wir schneller sind als Koomi vorschlägt ist ja nichts neues, aber 5 schneller?! Wir erwarteten natürlich nicht die geplanten 13,5h. Da hatte es was mit der Berechnung. Vielleicht erinnerte sich Koomi an den Klettersteig während meiner Wanderung, in dem ich plötzlich mit 20kg schwerem Rucksack und zwei Hunden ungesichert drinnen stand und wollte mich warnen?!

Ich war sehr erleichtert, dass wir doch deutlich unter der Zeit lagen und es den Pupsen gut ging. Ich schnappte sie mir gleich und hängte noch eine Stunde Spaziergang an, während die zwei Toms den Campingplatz checkten und für ein verdientes geniales Abendessen, bestehend aus Würstl, Maiskolben und Brot beim Lagerfeuer sorgten.

Nach 20 Stunden machten wir dann endlich die Äugleins zu … es war ein langer, aber gelungener Tag.

Tagesstatistik 13.07.2018
zurückgelegte km: 15,3km
überwundene Höhenmeter: 1540 bergauf / 1560 bergab
höchster Punkt: 2170m – Planspitze
tiefster Punkt: 560m – Campingplatz Forstgarten
Stunden unterwegs: 9,5h

Geocaches: 5
Gipfel: 1
Scharten / Pässe / Jochs: 1
Route

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Fotos von heute
Route auf Komoot

zum Nachlesen

03.05.2017 – Plötzlich mitten im Klettersteig

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Höhe statt Ferne

zur Story

 

2017 war für mich das Jahr der weiten Wanderung – in 100 Tagen ging ich von Graz nach Monaco.

Als ich damals im Piemont am Monte Rosa vorbeigewandert bin, wusste ich … irgendwann werde ich diesen Gebirgszug nicht nur aus der Ferne betrachten. Aus “irgendwann” wurde “sehr bald” …

… und so habe ich 2018 meine Prioritäten anders gelegt und mich unter dem Motto “Höhe statt Ferne” kürzer, dafür höher nach oben orientiert und auf einer zweitägigen Tour meine ersten 4.000er Gipfel bestiegen und auf der höchsten Berghütte Europas übernachtet.

In meinem Tagebuch kannst Du über dieses besondere Erlebnis nachlesen.

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