Ein Sommerspaziergang Phase 1

Und täglich grüßt das Murmeltier

By on Mai 10, 2017

Endlich mal 7h geschlafen! Naja … mehr oder weniger. Nach der heiß / kalt Katzenwäsche war ich ziemlich munter, also war das Einschlafen schon etwas schwierig. Um 2:00 hat mich dann tatsächlich das kochend brodelnde Wasser im Becher geweckt. Um 4:00 weckte mich dann die Stille, sprich die fehlenden Knistergeräusche. Das Feuer war aus. Aber es war so kuschelig warm, dass ich erst in der Früh wieder anheizte und während ich meine Yogaübungen machte, wurde auch das Wasser für den Tee heiß.

Gefrühstückt habe ich auch sehr gut – wer hätte gedacht, dass ein Brot mit Streichkäse und drüber Leberaufstrich so lecker sein kann. Und es gab ja ganz viel Obst, welches ich noch von der Alten Post mit hatte. Ah ja … und Portionsnutella. Was braucht der Mensch mehr?

STROM!!

Ja das ist das große Problem. Die Almen werden, wenn überhaupt, dann meist mit Solarenergie betrieben und stellen keine Steckdosen zur Verfügung. Um “Überleben“ zu können, benötige ich aber auf jeden Fall zumindest mein iPhone, auf dem Koomi mich ja durch die Welt leitet (oft nicht ganz so wie geplant, aber immerhin immer ans Ziel). Wenn ich eine durchschnittliche Wanderung von sagen wir 6h mache und dabei 2 bis 4 Geocaches und eine Stage abklappere, komme ich bei den aktuellen Temperaturen in höheren Lagen nicht mit einer Akkuladung aus. Nach ca. 3/4 der Strecke muss ich mein iPhone laden. Da hilft auch das Tragen ganz nah beim Herzen, sprich warm unter dem Leiberl, nicht wirklich. Bei 30% schaltet es sich einfach ab und das obwohl ich den Akku tauschen hab lassen.

Zwar nicht überlebenswichtig, aber ohne MacBook ist es am Abend halt auch nicht so toll, würde zwar vielleicht mehr Schlaf bedeuten, aber wer braucht schon Schlaf. 🙂

Und nach einem Tag ohne Steckdose schaute es schon nicht mehr so rosig aus … langsam ging mir der Saft aus. Ich dachte, ich muss auch noch zwei weitere auskommen, denn ich bin für die Egger Alm von ähnlichen Gegebenheiten wie auf der Feistritzer Alm ausgegangen und war der Überzeugung, dass ich heute mal blogfrei bin, denn ich wollte die 46% MacBook-Akkuleistung zum Laden von der Solar Powerbank und des iPhones verwenden.

Aber hier wurde ich in jeglicher Hinsicht überrascht.

Meine Wuffis mussten nicht in einer Hundehütte übernachten, wir haben eine ganze Hütte für uns allein, was heißt … wir haben eine ganze Alm für uns allein. Die zwei durften sich hier heute austoben und frei herumlaufen. Die Jäger, die mich hier beim Stamperl begrüßten, schießen heute ganz sicher nichts mehr. 🙂
Und ich war echt froh über die Begrüßung, denn das waren die ersten Menschen nach 30h. Auch wenn ich gestern durch mein Einheiz- und Wasserkochabendprogramm nicht wirklich darüber nachgedacht habe, dass ich da oben ganz allein war, war es heute beim Wandern etwas zermürbend.

Unsere Holzvilla wäre ganz nett, wenn sie nicht komplett vollgeräumt mit Zeugs wäre. Ich musste hier mal alles umräumen, um mich bewegen zu können. Aber jetzt sitze ich frisch geduscht bei Kerzenschein am Tisch und tippe in meinen bereits wieder voll aufgeladenen Laptop hinein.
Ihr habt richtig gelesen:
– Frisch geduscht
– Voll aufgeladen
– Kerzenschein
– Ah ja und Plumpsklo gibt’s auch
Strom gibt es in der Hütte tatsächlich keinen, nämlich so richtig. Es stehen ganz viele Kerzen herum, die ich alle angezündet habe und eine Lampe habe ich auch bekommen. Zuerst freute ich mich auf eine richtige Öllampe, leider habe ich dann den Knopf zum Einschalten entdeckt. Eingeheizt habe ich wieder mit Holz in einem richtigen Omaofen. Da die Hütte voll ausgestattet ist, gibt es auch genug Metallgefäße und das Aufheizen von Wasser, welches man allerdings aus dem Brunnen holen muß, wäre kein Problem. Ist aber nicht nötig, da es im Haupthaus eine Dusche mit Gastherme gibt, d.h. genug heißes Wasser … und dazu die Restln der flüssigen Honigseife … einfach super.

Täglich grüßt das Murmeltier ….

…. gilt hier also ganz und gar nicht, auch wenn ein Cache am Weg so hieß. Jeder Tag bringt etwas neues, jeder Tag hat neue Erkenntnisse, neue Erfahrungen, neue Herausforderungen. Ob sich das ändert? Wird es irgendwann so zum Alltag, dass es langweilig wird? Kann ich mir im Moment nicht vorstellen. Nicht mal die Wanderungen selbst sind gleich. Abgesehen natürlich von der sich ständig ändernden Landschaft, gibt es auch da immer Neues. Die heutige Wanderung war geprägt von Alm- und Wiesenwanderwegen, sehr gemütlich und schön. Und sie war geprägt von Murmeltieren. Ganz witzige Tierchen sind das. Anstatt wegzulaufen, weil sie die Hunde sehen, stellen sie sich auf ihre Hinterpfoten und machen ganz lustige vogelschreiähnliche Geräusche, um die anderen zu warnen. Meine zwei Akitadamen waren jedenfalls die ganze Zeit sehr aufgeregt und mussten heute auch beide an der Leine laufen. Nachdem es gestern leider nicht ganz so viel für sie zum Essen gab, wäre so ein Murmeltier zwischendurch wohl ganz nett gewesen. Aber auf der Egger Alm gab es dann ein Huhn, welches Rudi, der Hüttenwirt, besorgt hat.

Das ist etwas, was sich nicht ändert – die Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit der Hüttenwirte bzw. der Bergleute hier allgemein. Ich bin jedesmal aufs Neue fasziniert. Auch auf der Egger Alm fühlte ich mich gleich ganz wie zu Hause, bekam nicht nur leckeres Essen, wurde gleich mal auf einen Radler eingeladen, durfte in der Küche mein Zeugs abwaschen, aber auch eben mein MacBook aufladen. Rudi war sehr interessiert an meiner Route und an den kommenden Herausforderungen – Stage #20 ist immer noch ein großes Thema. Sofort holte er ne Wanderkarte her und das Telefon und war schon beim Abklären, welcher Weg über welche Alm am sichersten und schneefreisten ist. Morgen kommt er dann mit weiteren Informationen und mit Joghurt und Müsli fürs Frühstück, denn ich durfte mir wünschen was ich gern hätte.

Mir geht’s echt gut! Und vor allem … nur noch 1x schlafen 🙂

Tagesstatistik
zurückgelegte km: 15,2
überwundene Höhenmeter: 580
höchster Punkt: 1855m – auf der Starhand
tiefster Punkt: 1326m – auf einem Abschneiderwanderweg
Stunden unterwegs: 5,5

absolvierte Stages: 0
gefundene Geocaches: 3
davon T5: 0

Kosten: ?
davon Übernachtung: ?
Abendessen: ?
Essen für Tiere: ?
Links

Fotos von heute
zur Unterkunftsbewertung
zum Rudi auf der Egger Alm
Route auf Komoot

Route

TAGS
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3 Comments
  1. Antworten

    Apollo

    Mai 11, 2017

    Echt krass, auf der ganzen Alm warst du der einzige Mensch!

    Ich bin auch gern alleine. Aber zu Hause oder im Wald vor der Haustüre.

    Aber allein in der Fremde und das am Berg. Echt ärgstens, Ania!!

  2. Antworten

    Martin

    Mai 11, 2017

    Aufpassen heute in Italien!

  3. Antworten

    K2

    Mai 11, 2017

    Zum Thema “Murmeltier für zwischendurch”: Du solltest Deine zwei Süßen deutlich warnen und am besten noch zusätzlich aufpassen – sonst wird das im Anschluß vielleicht nix mehr mit HundeSCHAU:
    Ich weiß nicht, ob die Selbstverteidigung bei den Murmels zur (para-)militärischen Grundausbildung für alle Wehrpflichtigen gehört, aber ich habe schon (erfahrene) Alm-Hunde gesehen, die keinem Eisenbahnschaffner begegnet waren und trotzdem blutige Lochungen in der Nase hatten, die sie wohl wo reingesteckt hatten, wo die Bewohner der Meinung waren, daß sie nicht hingehöre …

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Höhe statt Ferne

zur StoryView more

2017 war für mich das Jahr der weiten Wanderung – in 100 Tagen ging ich von Graz nach Monaco.

Als ich damals im Piemont am Monte Rosa vorbeigewandert bin, wusste ich … irgendwann werde ich diesen Gebirgszug nicht nur aus der Ferne betrachten. Aus “irgendwann” wurde “sehr bald” …

… und so habe ich 2018 meine Prioritäten anders gelegt und mich unter dem Motto “Höhe statt Ferne” kürzer, dafür höher nach oben orientiert und auf einer zweitägigen Tour meine ersten 4.000er Gipfel bestiegen und auf der höchsten Berghütte Europas übernachtet.

In meinem Tagebuch kannst Du über dieses besondere Erlebnis nachlesen.

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