Ein Sommerspaziergang Phase 3

Expedition zwecks Erkundung des neuen GTA Weges von Ronco zum Colle Crest

By on Juli 3, 2017

Unser kleines GTA Grüppchen wächst langsam richtig zusammen. Es ist schön, wenn man gegenseitig für einander da sein kann und sich ergänzt. Trotzdem hat jeder beim Wandern sein Tempo und seine Freiheiten. Die Unterkunftssorgen scheinen auch beseitigt zu sein, es dürfte vorläufig keine Engpässe mehr geben. Außerdem teilt man gern ein Zimmer, wenn man sich besser kennt.

Beim Abendessen habe ich wieder ein paar Mitesser. Den Wein kann man auch besser teilen, denn Achterlweise schenken sie hier nicht aus. Simon spricht ein bisschen Italienisch, somit hat er die Kommunikation übernommen. Hildegard sucht die Unterkünfte aus. Sie legt auf ähnliche Sachen wert, wie ich. Hans gibt Botanikunterricht. Phillip hat die Wanderkarte und ich Koomi. Jeder hat also eine Aufgabe und wir ergänzen uns sehr gut.

Meine zusätzliche Aufgabe ist noch dafür zu sorgen, dass es nicht allzu spät Frühstück gibt und nicht allzu spät los geht. So saßen wir heute wieder um 7:00 zusammen und um 8:00 kam dann das Taxi, das uns nach Ronco zum Einstiegspunkt des Wanderweges brachte. Einen kleinen Zwischenstopp mussten wir einschieben, nämlich um endlich wieder einen Geocache zu holen. Hildegard und Charlie waren sehr interessiert und sind mit mir auf Schatzsuche gegangen. Dann ging es noch ein Stückchen weiter.

Normalerweise fährt das Taxi bis nach Masonaje, wo man dann direkt auf den GTA umsteigt und sich die ganze Asphalt-Strasse erspart. Auf den neuen Wanderkarten ist allerdings ein neuer GTA Teil eingezeichnet, welcher direkt von Ronco zum Pass geht. Der Taxifahrer wusste nichts davon, war aber bereit, sich das anzuschauen und führte uns zum vermeintlichen Punkt. Tatsächlich war da ein ganz neues Wanderschild, welches meinte, zum Pass 3,5h.

Abenteuerlich

Der Weg war anfangs breit und wirklich gut markiert. Die Betonung liegt auf anfangs, denn sehr bald gab es keine Markierungen mehr und der Pfad wurde immer schmäler und zugewachsener. Koomi schrie, wir hätten den Weg verlassen und ich musste sie stumm schalten. Mit den unterschiedlichen Tempi teilte sich die Gruppe auch bald auf. Simon, Phillip und ich machten heute die Vorhut, Hans und Friedrich waren dicht hinter uns. Hildegard und Charly gingen es langsam an.

Bis zur Alpe Sionei war aber der Weg eindeutig und auch Koomi hatte ihn zumindest teilweise drauf. Danach fing die wahre Entdeckungsexpedition an. Hinter den Steinhäusern der Alpe war eine Markierung, dann ein geschummeltes Steinamanderl, welches mit einem Drahtgestell zusammen gehalten wurden. Dann ging ein recht breiter Weg weiter, was uns nach dem zugesicherten Pfad bis hierher sehr verwundert hat. Es war auch nicht so ganz die Richtung, die wir erwartet haben. Also drehten wir wieder um und gingen zurück zu den Steinen. Dort erspähte Phillip ein weiteres Steinamanderl, also peilten wir ihn an. Von Weg war weit und breit keine Spur, aber zumindest passte mal die Richtung. Und so ging es quasi diretissima Richtung Pass. Irgendwann kam dann doch eine Markierung auf einem Holzpflock, also folgten wir als nächstes den Holzpflöcken. Ein weiterer Hinweis waren die Grenzschilder des Gran-Paradiso-Nationalparks, gelb mit Steinböcken drauf. Schließlich gab es sogar die eine oder andere Markierung am Felsen und wir wussten, wir sind richtig. Der Weg war sehr schmal, sehr zugewachsen und sehr abenteuerlich. Die Farne wuchsen fast so groß wie ich und wir kämpften uns durch die Botanik. Ich musste immer wieder an Jurassic Park denken. Es hätte mich nicht gewundert, wenn von irgendwo her ein Dinosaurier aufgetaucht wäre. Wobei es müsste schon ein Flugsaurier sein, denn für alles andere war der Pfad einfach zu schmal. Teilweise ging es wieder runter, da kamen dann die Zweifel, ob wir überhaupt richtig wären. Koomi meinte nein, aber heute musste ich sie ignorieren. Dann ging es steil bergauf und die Hoffnung war groß, dass wir bald aus dem Dschungel raus kämen und den Pass sehen würden. Und genauso war es! Wir haben es geschafft! Nach 2:45 machten wir die verdiente Pause am Colle Crest. Bald darauf kamen auch Friedrich und Hans und gesellten sich zu uns.

Langweilig

Der Abstieg war dann im Vergleich wirklich langweilig. Quasi entlang einer Wanderautobahn mit zig Markierungen ging es auf der anderen Seite bergab. Es war wirklich fast jeder zweite Felsen markiert, da kommt man sich ein bisschen verarscht vor. Heute bekam Simon Botanikunterricht von Hans, der sich beim Abstieg unserem Trio anschloss. Friedrich genoss noch etwas länger die Aussicht am Pass. Die einzige Spannung die blieb, war wo wir heute schlafen würden.

Es gab zwei Möglichkeiten, das Posto Tappo in Talosio, das laut Thomas zu hatte und das Santuario di Prascondù, welches laut Wirt von der gestrigen Unterkunft Aquila Bianca zu hatte. Simon hat gestern aber bei der Letzteren angerufen, oder glaubte das zumindest und reservierte für uns sieben. Da der Wanderweg direkt am Kloster vorbei führte, war es kein Umweg und somit unser erstes Ziel. Laut Wandermarkierung sollte es nicht länger als 1,5h bis dort hin sein. Normalerweise hätten wir es von weit weg sehen müssen, aber kein Kreuz, kein großes Gebäude, nichts ähnliches war zu erblicken. Irgendwann wurden wir dann nervös, aber es war egal. Wir mussten so oder so runter und entweder es kam ein Kloster oder nicht. Irgendwann erblickte ich dann Jesus! Es war kein Kreuz am Dach, sondern eine Figur. Wir waren da. Und es gab tatsächlich ein Mehrbettzimmer für 9 Personen für uns. Der Nachmittag war gerettet. Ein toller Garten, viele gemütliche Sitzmöglichkeiten, guter Kaffee mit Keksen, nicht ganz so kühles Bier für die Männer, eine Waschmaschine, die unsere Wäsche wusch und ein tolles, ebenes Platzerl für meine 7Min im Freien … alles was das Herz begehrt war da! Und auch eine Horde lauter Kinder, die hier ihre Ferien verbrachten und abwechselnd Disco machten und Fußball spielten. Ok, man kann nicht alles haben.

Sorgen

Unsere einzige Sorge galt Hildegard und Charly. Ich habe sie dazwischen angesmst, sie sollen ja nicht den neuen Weg gehen, sondern den Berg umrunden. Leider haben sie die Nachricht nicht gelesen und irrten 2h in der Gegend herum, bis sie dann erst beschlossen wieder zurück zur Alpe Sinoei zu gehen und die längere Tour zu machen. Gegen 19:00 kamen sie dann fix und fertig an. Da konnte ich Hildegard nicht mal mehr mit einem Geocache aufmuntern. 🙁

Aufgeklärt

Der Reiseführer aus 2016 meint übrigens zu dem heutigen Teilstück: „Der Plan die GTA auf dem direkten Weg von Bosco über Bettassin und die Alpen Ciavanassa und Sionei zum Colle Crest zu verlegen, wurde nicht realisiert. … weitgehend zugewachsen … Dieser Weg sollte nicht begangen werden. Na dann, jetzt ist alles klar!

Tagesstatistik
zurückgelegte km: 8,3km
überwundene Höhenmeter:  1120 bergauf / 680 bergab
höchster Punkt: 2050m – Colle Crest
tiefster Punkt: 900m – Ronco
Stunden unterwegs: 4,5h

absolvierte Stages: 1
gefundene Geocaches: 1
davon T5: 0

Kosten: ?
Übernachtung inkl. Halbpension: ?
Links

Fotos von heute
zur Unterkunftsbewertung
Santuario di Prascondù
Route auf Komoot

Route

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2 Comments
  1. Antworten

    Apollo

    Juli 4, 2017

    Zum Glück warst du in diesem Dschungel nicht alleine unterwegs!! 🍀

    Auch schön, zur Abwechslung eine weibliche Mitwanderin zu haben, oder?

    Bei dieser großen Wandergruppe und den Abenteuern ist der 09. Juli dann gar nicht mehr so schlimm weit weg. Nur mehr fünf mal schlafen! 😊

  2. Antworten

    K2

    Juli 6, 2017

    Nun, mein Blog hätte wohl auch Warnung sein können 😉
    Dort gibt es auf Papier viele Phantasiewege. Aber Du stehst ja auf Abenteuer und Wildnis.
    Das mit der Gruppe klingt gut.

    Liebe Grüße vom Waldschrat, der steirischer Wildnis wieder entkommen ist,
    K2.

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Höhe statt Ferne

zur StoryView more

2017 war für mich das Jahr der weiten Wanderung – in 100 Tagen ging ich von Graz nach Monaco.

Als ich damals im Piemont am Monte Rosa vorbeigewandert bin, wusste ich … irgendwann werde ich diesen Gebirgszug nicht nur aus der Ferne betrachten. Aus “irgendwann” wurde “sehr bald” …

… und so habe ich 2018 meine Prioritäten anders gelegt und mich unter dem Motto “Höhe statt Ferne” kürzer, dafür höher nach oben orientiert und auf einer zweitägigen Tour meine ersten 4.000er Gipfel bestiegen und auf der höchsten Berghütte Europas übernachtet.

In meinem Tagebuch kannst Du über dieses besondere Erlebnis nachlesen.

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