Höhe statt Ferne Monte Rosa

Aufstieg nach dem Absturz

By on Juli 29, 2018

Shit … kurzer Lagecheck hat folgendes ergeben:
⁃ ich war nicht in meinem Bett
⁃ ich hatte noch meine Klamotten an
⁃ es war 3/4 7
⁃ ich war wohl nicht am Belvedere um 5:00
⁃ neben dem Bett stand ein Kotzkübel, leider oder Gottseidank leer
⁃ ich wusste nicht, wo meine Schlapfen waren
Kurz gesagt ich hatte einen kompletten Filmriss. Ok, ich brauchte einen Plan. Gegen Mittag wollte Marco nach Alagna absteigen. Ich schaffte keine zwei geraden Schritte auf’s Klo. Keine Ahnung wie ich den Berg runterkommen soll. Ok, zuerst brauchte ich meine Schlapfen, dann eine Dusche, dann einen Kaffee und viel Käse und Nutella. Nach 2,5h war ich halbwegs wieder hergestellt und auch um einige Informationen reicher. Vittorio lieferte einen Striptease, Marco tanzte auf den Bänken, Volker spielte und sang und ich schenkte Genepy aus. Offenbar wollte ich mal Nachschub aus der Küche holen, denn ich fiel die steile Treppe runter. Das erklärt den blauen Fleck am Popsch und die blaue Zehe. Letzteres könnte problematisch werden – angeblich war die Küche voller besorgte Leute. Als Thomas checkte, dass mit mit alles ok war, ging er schlafen. Nicht viel später brachten mich Volker und Marco ins Bett, schafften mich aber nicht in mein Stockbett zu hieven und nahmen Andres Bett darunter. Andre schlief dafür in meinem und fragte mich am nächsten Tag, wo ich den Hüttenschlafsack her hätte … hmm darüber mach ich mir dann am Abend Sorgen.
Nachdem noch ein bisschen Zeit bis zum Abstieg war, versuchte ich den Restalkohol raus zu schlafen und holte mir einen Sonnenbrand auf der Terrasse.

Um 11:30 ging es dann los. Marco nahm meinen Rucksack und ich protestierte nur ganz kurz. Ehrlich gesagt war ich sehr froh. Volker nahm Marcos und seinen und meinte, wenn ich es schaffe in den ersten 15 Min nicht zu stolpern, bekäme ich den Leichteren. Und ich bekam ihn, büßte aber alle Sünden ab. Erst nachdem wir in den eiskalten Bach sprangen, ging es mir etwas besser.

Equipmentwechsel

Bei Marco zuhause wurden wir von seinen Elten begrüßt und mit Getränken und Walnüssen versorgt und konnten unsere Sachen umpacken. Das Monte Rosa Equipment musste mit, unnötiger Ballast weg. Dazu gehörten der Laptop und die Yoga Matte, und ein bisschen Gewand. Für die nächsten drei Tage war mal Pause mit zusätzlichem Workout. Mein Rucksack war richtig leicht und ich konnte ihn auch wieder selber tragen.

Pünktlich um 15:00 waren wir bei der Gondel und um 15:15 auf dem Weg nach oben. Es ging mit drei Seilbahnen bis nach Indren 3275m, von wo wir bereits mit Steigeisen ausgestattet auf ein Bier, für mich Wasser, ins Rifugio Mantova und dann in die heutige Unterkunft Rifugio Gnifetti 3647m aufstiegen.

Die größte Herausforderung war nicht in Wasser zu steigen bzw. die dazwischen liegenden Felsen mit den Steigeisen zu passieren.
Am Zwischenziel sahen wir zum ersten Mal so richtig den Gletscher sich vor uns ausbreiten – zum Greifen nahe. Eigentlich wollten wir gar nicht so lange dort verweilen, aber ein wunderschöner Adler und ein 81jähriger, der alle 4000er in Europa bestiegen hat, hielten uns etwas auf.

Das letzte Stück Richtung Gnifetti war über Gletschereis und dann einen Miniklettersteig hoch.

Nah am Ziel hörten wir Wasserrauschen, wie von einem Wasserfall, aber nur kurz und abgehackt. Die Aufklärung des Geräusches fand sich am WC. Es ist ein typisch italienisches Hockklo mit Wasserkanistern zum Spülen. Sonst ist das Rifugio aber super. Wir hatten ein Vierbettzimmer, ich eine heiße Dusche und es gab ein ausgezeichnetes Dreigangmenü mit Pasta mit Gorgonzola, Huhn mit Kartoffeln und Tiramisu.

Einschulung

Bevor wir schlafen gingen, gab es von Marco noch die letzten Einweisungen und eine Knotenkunde. Wir bereiteten bereits alles vor. Das 50m Seil wurde von Marco und Volker präpariert. Alle 10m war ein Mastknoten mit dem jeweiligen Karabiner für uns zum Einhängen und dazwischen ein Ballknoten, der fürs Bremsen im Notfall gedacht ist. Die Eispickel sind auch nur für den Notfall. Wenn einer in die Gletscherspalte fällt, dann haben wir 10m Zeit zum Reagieren und zwar in dem wir uns in die andere Richtung schmeißen und den Eispickel ins das Eis rammen. Die Klettergurte wurden mit den restlichen zwei Karabinern ausgestattet und einer Bandschlinge. Auch diese war nur für die Sicherung im Notfall gedacht. Auch wenn die vielen Notfallsvorbereitungen ein etwas mulmiges Gefühl bereiteten, fühlte ich mich wirklich in guten Händen. Wir waren ein gutes Team, Marco ein guter Guide und es war alles bereit und die Wecker auf 3:30 gestellt! Morgen wird es ernst! Bevor wir aber die Äugleins zumachten, gab es noch einen farbenfrohen Sonnenuntergang und eine knallroten, vollen Mond.

Morgen-Route

Nachmittags-Route

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2 Comments
  1. Antworten

    Volker Rinner-Hänsel

    August 9, 2018

    Gut geschrieben.

  2. Antworten

    K2

    August 14, 2018

    Heureka, sie ist ein Mensch ;-b

    Kaukasische Grüße vom Fuße von von 4.000/5.000ern,
    K2.

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