Ein Sommerspaziergang Phase 2

Regen + Sonne = Regenbogen

By on Juni 5, 2017

Wenn man munter wird und draußen regnet es, einem die Knie weh tun, man zwar ausgeschlafen aber immer noch müde ist, ist die Motivation einen 17km Marsch teilweise durch Schneefelder zu machen nicht besonders groß.

Geplant war so spät wie möglich weg zu gehen, da es um 14:00 zu regnen aufhören soll, also war Zeitschinden die Devise. Irgendwie habe ich dann aber mitten im Yoga keine Regentropfen mehr gehört und es schien auch mal nach einer längeren Pause. Es war eine schwere Entscheidung, aber ich brach meine Übungen ab, packte rucki zucki alles zusammen, machte den Rucksack regensicher, schluckte das noch weniger spannende Frühstück als die der Vortage runter und kurz nach 9:00 waren wir unterwegs, … im Regen. Zumindest brauchte ich mir keine Gedanken mehr über meine Motivation machen.

Aber auch heute hatten wir eigentlich Glück mitm Wetter. Nicht mal eine Stunde waren wir unterwegs, kämpften sich die ersten Sonnenstrahlen durch die Wolken und den Regen und wir wurden mit einen Regenbogen belohnt und anschließend mit eine Regenpause. Ich hoffte nur, dass diese lang genug anhält, um zumindest über den Pass durch den Schnee zu kommen und so war es auch.

Insgesamt kämpften wir knapp 2h durch den Schnee und heute war es wirklich ein Kampf. Dass man nur knietief versinkt, war leider ein Gerücht, der Schnee war tief genug, um wieder bis zum Popsch zu verschwinden. Es waren zwar Spuren im Schnee, aber nur am Anfang und irgendwie muß das ein Fliegengewicht gewesen sein, denn ich bin trotz in dessen Stapfen zu treten eingesunken. Ich hatte zwar meine Softshellhose an und darüber eine Regenhose und die war richtig fest um die Schuhe geschnürt, aber auch wenn von oben kein Schnee reinkam, irgendwann waren Schuhe und Socken trotzdem komplett nass. Wenn wir heute eine Wasserüberquerung mit Pupsenrübertragservice gehabt hätten, hätte ich mir die Schuhe wahrscheinlich nicht mehr ausgezogen. Es war auch insgesamt deutlich kälter, gut war ja auch keine Sonne da.

Ich glaube, heute hatte dann sogar Ryoko genug vom Schnee, denn auch die Vierbeiner sind ständig eingesunken und es war relativ schwer für sie wieder rauszukommen. Da ist das Brustgeschirr als Raushebehilfe schon sehr praktisch. Auch einen Miniminiklettersteig hatten wir dabei, da konnte ich sie auch gut rüber hieven.

Wie erhofft wurden nach der Grenzüberschreitung dann die Schneefelder deutlich weniger und waren dann auch bald wieder vorbei und es regnet immer noch nicht! Wir waren so gut drauf, die zwei wollten wieder spielen und schnuppern und das Gras genießen, da habe ich auch Ryoko wieder ein bisschen ohne Leine laufen lassen. Fast bei Sonnenschein sind wir dann noch gut 2h gegangen, bevor es dann eine Stunde vorm Ziel zum Regnen angefangen hat. Es ist ja eigentlich egal, wie lang es regnet. Nach kürzester Zeit ist so oder so alles nass, was nass werden kann.

Heizung und Föhn

Die Wahl der heutigen Unterkunft war außer durch die Attribute WLAN inklusive und Haustiere erlaubt durch zwei weitere geprägt: Föhn und Heizung. Zuerst hatte ich schon am Vortag die günstigste Unterkunft in Le Prese gewählt, die uns drei genommen hätte. Diese hat mir aber per Mail gestern um 23:48 mitgeteilt, dass das Zimmer nicht frei wäre. Sie kann mir nur ein Kleines mit Bad und WC am Gang anbieten. Normalerweise ja kein Problem, aber ich wusste, ich werde ganz viele Sachen zum Trocknen haben, also habe ich auf das Angebot verzichtet und heute beim Frühstück nochmal booking.com befragt, was es denn für Alternativen gäbe. Die nächst günstigere hätte 78,- und die darauf 88,- gekostet. Die Teurere hatte aber explizit beim Zimmer dabei stehen Heizung und Föhn – bingo. Das war mir die 10,- wert. Und es war sogar noch besser, denn ich durfte meine Sachen im Heizungsraum aufhängen!

Auch beim zweiten Problem hat mir Bruno, der Chef geholfen, denn heute ist auch in der Schweiz Pfingstmontag, d.h. es hat alles geschlossen, nicht nur der Metzger, an dem ich hoffnungsvoll vorbei spazierte, der hat nämlich immer Montags zu. Meine Fleischvorräte für die zwei Damen waren aber aus. Sie haben trotzdem ausgezeichnet gespeist, denn der Küchenchef höchst persönlich bereitete ihnen Putengeschnetzeltes mit Karotten und Zucchini vor, natürlich roh, also zumindest das Fleisch. Auch ich gönnte mir heute mal wieder eine warme Mahlzeit. Die Spezialität der Region sind Pizzoccheri (*) Poschianini. Das Wort kam mir gleich bekannt vor, das war nämlich das WiFi-Passwort vom Zoia. Jetzt verstand ich auch, warum er mich fragte, ob ich das kenne. Nun ja, jetzt kenne ich es und es ist lecker.

Verluste

Mittlerweile haben wir schon ein paar Verluste zu verzeichnen.

  • Meine Jesuspatscherln waren die ersten. Sie sind zwar noch als Duschschlapfen zu verwenden, aber eine 3km Tour mit einer Leiter geht nicht mehr.
  • Mein linker Wanderstock ist verbogen. Stört zwar jetzt nicht beim Gehen, er lässt sich aber nicht mehr zusammen schieben. Falls keine Bustouren oder Radwege mehr kommen, ist das aber nicht so schlimm. Ich habe sie sonst eigentlich immer in Verwendung.
  • Mein Minispielzeugkompass hat sich in seine Einzelbestandteile zerlegt. Das war aber auch mehr Gag als sonst was, also auch hier verkraftbar.
  • Meinen Handschuhen tun die vielen Felsen auch nicht so gut, haben schon ein paar Löcher, damit kann ich aber leben.
  • Was mir aber sehr leid tut, ist dass Ryoko heute in einem der Schneefelder, wo sie ihre Auszucker bekommen hat, ihr Halsband verloren hat. Das wäre noch nicht so schlimm, darauf hing aber ihr Geocoin, den ich von Freunden zum 40er bekommen habe. 🙁
    Halsband werde ich mir mal aus meiner Reepschnurr basteln, aber ob ich diesen Geocoin nachbestellen kann, weiß ich nicht.
    → Ein Aufruf an alle Nachfolger und Geocacher bzw. Wanderer, die hier in der Gegend um den Passo Canciano cachen bzw. wandern: ein braunes Halsband mit einem Cachers-Dog-Geocoin wird vermisst.

 

Tagesstatistik
zurückgelegte km: 16,7
überwundene Höhenmeter: 460 bergauf / 1660 bergab
höchster Punkt: 2626m – Passo di Campagneda
tiefster Punkt: 972m – le Prese
Stunden unterwegs: 7

absolvierte Stages: 1
gefundene Geocaches: 1
davon T5: 0

Kosten:
davon Übernachtung:
Essen für Tiere: 15,-
Links

Fotos von heute
zur Unterkunftsbewertung
Sporthotel Raselli
Route auf Komoot

Route

Begriffsklärung
Pizzoccheri sind eine Teigwarenart aus Buchweizen- und Weizenmehl, die im lombardischen Veltlin (Valtellina) und im benachbarten bündnerischen Puschlav (Poschiavo) sowie am Comer See beheimatet ist. Pizzoccheri werden typischerweise vermischt mit Wirsing und Kartoffeln sowie Käse serviert. (Quelle: wikipedia)
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4 Comments
  1. Antworten

    Frank_Z

    Juni 5, 2017

    Das Schneefeld ist wohl durch den Regen weicher geworden, deshalb bist du tiefer eingesunken. Früh morgens sind die Felder in der Regel auch fester, als später am Tag, wenn es wärmer ist. Ich weiss ja nicht, wie Steil die hänge dort sind, aber im Frühling sind nachmittags und nach Regen Nassschneelawinen wahrscheinlicher. Kann da von Skitouren aus Erfahrung sprechen.

    • Antworten

      weltraumaeffchen

      Juni 6, 2017

      Guten Morgen,

      danke für den Hinweis. Ich versuche aber eben die steilen schneereichen Strecken auszulassen, dass ist mir zu heikel. Aber der Schnee wird immer weniger, jetzt sind es nur noch die Berghütten, die aufsperren müssen 🙂

      Liebe Grüße, Ania.

  2. Antworten

    Martin

    Juni 6, 2017

    Auch auf die Gefahr hin, die emotionale Botschaft zu übersehen: Wow. Mal eben so ‘no hands free’ Anfang Juni auf knapp 2700 m durch die Berninagruppe spaziert.

    • Antworten

      weltraumaeffchen

      Juni 9, 2017

      😉

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Höhe statt Ferne

zur StoryView more

2017 war für mich das Jahr der weiten Wanderung – in 100 Tagen ging ich von Graz nach Monaco.

Als ich damals im Piemont am Monte Rosa vorbeigewandert bin, wusste ich … irgendwann werde ich diesen Gebirgszug nicht nur aus der Ferne betrachten. Aus “irgendwann” wurde “sehr bald” …

… und so habe ich 2018 meine Prioritäten anders gelegt und mich unter dem Motto “Höhe statt Ferne” kürzer, dafür höher nach oben orientiert und auf einer zweitägigen Tour meine ersten 4.000er Gipfel bestiegen und auf der höchsten Berghütte Europas übernachtet.

In meinem Tagebuch kannst Du über dieses besondere Erlebnis nachlesen.

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