Ein Sommerspaziergang Phase 1

Strafverschärfung

By on Mai 9, 2017

Nach einem müslireichen Frühstück gingen die Vorbereitungen für die nächsten drei Tage los.

Ich musste auf alles vorbereitet sein:

  • kein WWW
  • kein Tel
  • kein Strom
  • kein warmes Wasser
  • gar kein Wasser
  • keine Heizung
  • keine Menschenseele

Ich glaube der letzte Punkt in Kombination mit erstens und zweitens machten mich am meisten fertig.

Es wurde also noch alles voll aufgeladen, das iPhone, das MacBook, beide Powerbanks, die Kameraakkus, der TP-Link (ein T-Mobile Router). Kein Ahnung wie lange ich so ganz ohne einer Steckdose auskomme, ich hoffe, ich muss es nicht herausfinden.

Ein Notfallsblogeintrag wurde geschrieben. Für den Fall, das ich nichts posten kann, wollte ich Euch nicht ganz ohne Infos lassen.

Mit Tom wurden die wichtigsten Eckdaten der nächsten Tage abgeklärt, damit er immer weiß, wo ich wann sein sollte. Dazwischen habe ich ja immer wieder Netz, das ist eher nicht das Problem.

Beim Frühstück habe ich mir noch zwei Brote hergerichtet, Obst eingepackt und auch ein paar Portionssachen (ganz viel Nutella, bisschen Honig, Leberaufstrich und Streichkäse) – man weiß ja nie. Wasser habe ich 1l mit. Ich wusste ja, dass mir Sabine von der Feistritzer Alm eine Jause hergerichtet hat und auch was zum Trinken und Wasser. Bis jetzt war das auch nie Thema. Die Hunde finden sich immer ein Bacherl und ziehen das Berqquellwasser definitiv dem, was ich für sie mittrage bzw. das sie sich selbst tragen, vor. Ich war noch nie ein großer Wassertrinker und brauche nicht viel. Ganz im Gegenteil, wenn ich viel trinke muss ich ganz viele Pipipausen einlegen. Das ist mit dem Rucksack echt nicht einfach … und nein, im Stehen pinkeln habe ich noch nicht probiert. Verschärft wird die Situation auch noch durch die vielen Wasserfälle am Weg, die die Blase zusätzlich anregen. Deswegen gibt es so wenig Wasserfallfotos. Jedesmal wenn ich einen fotografieren will, muss ich aufs Klo!

Wir hatten es nicht eilig und sind erst um 10:30 bei wunderbarem Wetter los: warm, aber nicht zu heiß, leicht bedeckt, also perfekt für die Wuffis und für mich eigentlich auch.

Zum Bartolosattel sind wir den Feistritzer Graben rauf marschiert. Klang deutlich vielversprechender als es dann leider war. Wir sind die ganze Zeit auf einer Schotterforststraße gewandert und „bewunderten“ die von Menschenhand künstlich angelegten Wasserfälle und den geregelten Flusslauf. Die Unwissenheit wie der Weg weiter gehen wird war groß. Ich war ja durch meinen Abstecher nach Feistritz an der Gail nicht mehr auf dem 403 Wanderweg und hier im Graben eigentlich auf gar keinem Wanderweg mehr und auf Koomi kann man sich ja nicht mehr so 100% verlassen. Aber diesmal gab es keine rosa Punkte und nach 2,5h erreichten wir unseren Weitwanderweg und den Bartolo Sattel, sprich Stage #19. Nette Sitzgelegenheiten boten dort gleich mal Platz für eine Rast.

Leider habe ich mich zu früh über den Wanderweg gefreut, denn nach ein paar hundert Meter kamen wir wieder auf eine Schotterstraße, die eigentlich bis auf ein winziges kleines letztes Stück auch den heutigen Tag prägt. Trotzdem war ich heute sehr motiviert und sehr flott unterwegs, was man von den zwei Hundedamen nicht behaupten kann. Ich wollte einfach endlich wissen, was mich da oben erwartet.

5,5h später wusste ich es:
Ich habe Empfang und bin erreichbar, konnte mich also bei Tom zurück melden. Es gibt www und mit T-Mobile sogar 4G (!), also gibt es auch diesen Blogeintrag.
Es gibt Strom in Form von Licht, aber Steckdose habe ich noch keine gefunden. Es wird also gespart, bzw. hat Tom die Theorie aufgestellt, dass es sich um Solarstrom handelt, das erklärt dann auch die großen Batterien im Vorzimmer.

Wasser gibt es, aber es ist eiskalt … kommt ja vom Berg. Das ist ziemlich heftig. Ich habe die Hundeschüsseln nach der Raubtierfütterung abgewaschen und dachte mir frieren die Finger ab. Es ist also noch sehr fraglich, ob ich mich waschen werde … ja eine Katzenwäsche muss wohl sein … ich muss mir nur noch überlegenen welches Ausmaß diese annimmt.

Das Schlimmste ist aber allgemein die Kälte. Leider hat es komplett zugezogen, d.h. als wir hier ankamen war von Sonne keine Spur mehr und es war sehr windig. Zuerst dachte ich mir, ich setze mich noch raus und genieße die Aussicht, bin dann aber sehr bald indoor geflüchtet. Eingepackt in alle Decken, die es hier gab und alles an warmen Gewand, das ich mit habe inkl. Handschuhe und Haube, habe ich dann die von Hüttenwirtin Sabine für mich aufgetischte Jause und den Radler „genossen“. Da wiederum die gute Nachricht – durch die Kälte waren die Brote noch frisch, obwohl zwei Tage alt und das Bier gut temperiert, Sabine hat sich also umsonst Sorgen gemacht.

Also saß ich da, in dem Minizimmer – 4x4m, mit 3 Stockbetten und einem Tisch und fror. Hinter mir ein Ofen. Vor der Hütte ganz viel Holz … ok, wir heizen ein. Mit Sabine zuerst natürlich kurz abgeklärt, ob der Ofen einsatzbereit ist und ob es ihr auch Recht ist. Sie meinte nur, wenn ich es kann und ihr die Hütte nicht abfackle, dann natürlich.

Für eine alte Pfadfinderin wie mich, war es natürlich kein Problem.
Na ok … das Holz war gehackt, Feuerzeug hatte ich mit und eine telefonische Anweisung anhand zuerst geschickter Fotos bekam ich von meinem Papa auch. Es war nicht das erste Mal, dass ich eingeheizt habe und ich liebe Lagerfeuer, bin also eh ein kleiner Feuerteufel, aber jeder Ofen ist anders und ich wollte sicher gehen, dass ich hier wirklich nicht die Bude in Flammen setzte.

es werde warm

Nächste Aufgabe war dann das warme Wasser. Leider hat Sabine mir nur einen Keramikbecher und eine Thermoskanne mit mittlerweile kaltem Wasser da gelassen, also dauerte es entsprechend länger und zum Kochen brachte ich es nie.

Der Wasserwärmungsprozess funktionierte in mehreren Schritten:

  • Zuerst wurde das eiskalte Wasser aus der Leitung in der Fantaflasche neben dem Ofen etwas angewärmt. Der Grund dafür war erstens, damit es schneller geht und zweitens hatte ich etwas Sorge um den Keramikbecher, der sonst durch den Temperaturunterschied vielleicht gesprungen wäre.
  • Danach wurde es im Keramikbecher zugedeckt mit dem Jausenteller aufgeheizt.
  • Schließlich kam es in die Thermoskanne zum Warmhalten bis der nächste Becher fertig war.

– eine abendfüllende Aufgabe, dank derer ich aber einen Kräutertee mit Honig trinken konnte und zumindest lauwarmes Wasser zum Zähneputzen und eine Minikatzenwäsche hatte. Wenn das Waschbecken noch nen Stöpsel gehabt hätte, dann wäre alles perfekt gewesen. Aber auch da wird mir bzw. meinen MacGyver Beratern noch etwas einfallen 🙂

erfolgreiches Projekt Warmwasser

Auf die Equipmentliste kommt also noch ein Metallbecher für Notfälle. Auf Waschbeckenstöpsel werde ich aber weiterhin verzichten.

Eine Stunde später war es in dem Zimmerchen kuschelig warm und ich konnte langsam aber sicher meinen Deckenkokon weggeben und auch die Jacken ausziehen und beim Knistern des Feuers die heutigen Fotos durchgehen und so den Tag Revue passieren lassen. Der heulende Wind draussen macht mir nichts mehr aus.

Tagesstatistik
zurückgelegte km: 14,7
überwundene Höhenmeter: 1230
höchster Punkt: 1749m – Almkapelle Maria Schnee
tiefster Punkt: 494m – Gasthof Alte Post
Stunden unterwegs: 5,5

absolvierte Stages: 1
gefundene Geocaches: 3
davon T5: 0

Kosten: 29,50
davon Übernachtung: 15,-
Jause plus Radler: 14,50
Essen für Tiere: immer noch mitgeschleppt
Links

Fotos von heute
zur Unterkunftsbewertung
Feistritzer Alm
Route auf Komoot

Route

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5 Comments
  1. Antworten

    Astrid

    Mai 9, 2017

    Na dann wünsche ich dir mal einen kuscheligen Abend mit Villacher Bier 😀 und ein gute und längere Nacht als gestern 😉

    Liebe Grüße
    Astrid

  2. Antworten

    K2

    Mai 9, 2017

    Hallo Ania.

    Sich mental auf das Schlimmste vorzubereiten, kann einen entweder in Depressionen stürzten oder charakterlich gefestigt durch’s Leben gehen.
    Ich sage immer: Pessimisten können vom Leben immer wieder mal positiv überrascht werden, Optimisten erleben ein Leben lang Enttäuschungen.

    Dein heutiger Blog-Eintrag beginnt ja sehr eindrücklich, zeugt dann von Weg-Verfehlung (der 03er führt doch über so netten – wenn auch steilen – Pfad direkt zur Achomitzer Alm) und fundiert dann Deinen Ideen-Reichtum und Pfadfinder-Gabe.
    Wirklich beeindruckend und von diesem Cache-Owner sicherlich weder beabsichtigt noch erwartet, denn das D5/T5 gab es ja eigentlich nur als Weihnachtsgeschenk für einen nicht zu Vergessenden. Wäre dies allerdings pünktlich 2017 verjährt, nun dann hättest Du wohl nie den Spaziergang in Graz entdeckt, der einen auf durchgängig markiertem Wege von der Mur bis ans Meer führt …

    Unter den Fernwanderern auf den drei großen amerikanischen Weitwanderwegen (Triple Crown*; PCT, CDT, AT) gibt es wohl ein Stichwort: “The Trail Provides”

    Nun, auch wenn ein Sommerspaziergang in den Alpen dagegen natürlich wie Ponyhof erscheint, so habe ich mir bereits deutlich vor Deinem Start ab und an gedacht, daß dies auch in unseren Breiten bei Abenteuern wie Deinem immer wieder mal gilt. Manchmal mögen es nur die kleinen Dinge sein, manchmal fügen sich aber auch viele davon zu etwas Großem, wo man dann schon nach Glück, Schicksal oder einfach (Mit)Menschlichkeit fragen kann – von Nettigkeiten wollen wir jetzt mal nicht reden 😉

    Schöne Grüße
    K2.

    * https://en.wikipedia.org/wiki/Triple_Crown_of_Hiking

  3. Antworten

    Volker

    Mai 10, 2017

    Spätestens der Bericht hat mir gezeigt, dass du den Sommerspaziergang gut durchziehen wirst, denn du hast eine der wichtigsten Voraussetzungen zum Weitwandern: du bist situationselastisch 🙂
    Danke für die erfrischende Frühstücklektüre.
    Ein Kollege in der Schule hat bemerkt, dass ich dieses Jahr noch gar nicht so fertig bin wie sonst nach Ostern. Da hab ich gesagt, dass ich in Gedanken schon wieder bei der Alpendurchquerung bin.
    Danke für deinen Blog und
    Alles Liebe Volker

  4. Antworten

    baugue, Günter

    Mai 10, 2017

    Hallo Ania!
    Ich wollte dir zum 10 000er gratulieren aber ich habe mal 3 Tage nicht hineingeschaut und schon bist du auf 12 000 also mehr wie 10% der Reise.
    Weiter so und viel Spaß!
    Was würdest du später erzählen wenn alles einfach wäre?

    • Antworten

      weltraumaeffchen

      Mai 11, 2017

      Danke Dir … ja es geht irgendwie ganz schnell … die Zeit rennt, bald bin ich mit Phase I fertig!

      und ja … zum Erzählen gibt es dank der Herausforderungen genug und mir wird nie langweilig 🙂

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Höhe statt Ferne

zur StoryView more

2017 war für mich das Jahr der weiten Wanderung – in 100 Tagen ging ich von Graz nach Monaco.

Als ich damals im Piemont am Monte Rosa vorbeigewandert bin, wusste ich … irgendwann werde ich diesen Gebirgszug nicht nur aus der Ferne betrachten. Aus “irgendwann” wurde “sehr bald” …

… und so habe ich 2018 meine Prioritäten anders gelegt und mich unter dem Motto “Höhe statt Ferne” kürzer, dafür höher nach oben orientiert und auf einer zweitägigen Tour meine ersten 4.000er Gipfel bestiegen und auf der höchsten Berghütte Europas übernachtet.

In meinem Tagebuch kannst Du über dieses besondere Erlebnis nachlesen.

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