Ein Sommerspaziergang Phase 3

Tapetenwechsel mit morbidem Charakter

By on Juli 5, 2017

Thomas hat genau eine Woche Zeit und sich als Ziel das Susatal gesetzt. Damit er das erreichen kann, musste er zwei Tagesetappen zusammen legen. Dafür eigneten sich eigentlich nur die heutige und morgige. Auch Koomi war der Meinung, dass beide leicht bis mittelschwer waren, jeweils unter 1000Hm und weniger als 15km. Zusammen ergaben sie aber eine heftige Tour von 24km, 1800Hm und geschätzten 10,5h. Trotzdem wollten er das heute angehen und ich war sofort dabei.

Das bedeutete aber, dass ich mich von meinen sechs Begleitern der letzten Tage trennen musste. Da sie aber so oder so nur bis Donnerstag mitgegangen wären, verschob sich der Abschied nur um einen Tag vor. Wirklich einen Abschied gab es so oder so nicht. Gestern Abend wurden zwar noch Telefonnummern, Emailadressen und BlogURLs ausgetauscht, aber so richtig „Lebe wohl“ haben wir uns nicht gesagt, da wir es nicht fix wussten, ob wir die zwei Etappen schaffen würden. Thomas und ich wollten zuerst mal bis Noasca, dem ersten Etappenziel gehen und dann erst entscheiden ob wir weiter gingen. Das hing davon ab, wie fit wir uns fühlten, wie es meinen Knien ginge und wie das Wetter sich entwickelte. Ursprünglich hätte es am Nachmittag regnen sollen.

Um genug Spiel zu haben setzte ich Frühstück um 6:00 durch und Start spätestens um 7:00, wir schafften sogar 3/4 7. Simone gab uns noch letzte Tipps zur Strecke, zum Restaurant für die Mittagspause und zur Unterkunft, falls wir es wirklich bis nach Ceresole Reale schaffen sollten. Dann legten wir los, abwechselnd Thomas und ich vorne weg. Nicht wegen dem Tempo, da konnten wir uns ganz gut einigen, aber wegen der Spinnweben. Diese Strecke ist definitiv nicht sehr begangen, aber sowohl die Wege selbst, wie auch die „Sehenswürdigkeiten“ unterwegs waren spannend. Das Motto des heutigen Tages waren verfallene, verlassene Dörfer, von denen es hier wirklich ganz viele gibt und heute war es besonders schlimm.

Der erste Teil bis nach Noasca, wo wir zu Mittag essen wollten, war der längere, aber es ging weniger weit rauf. Das letzte Stück war dann in der Ebene und zog sich sehr, da wir schon Hunger hatten. Um 11:30 waren wir dann endlich da und wie bereits befürchtet, bestätigte sich die Angst, dass es vor 12:00 / 12:30 nichts zum Essen gibt. Wir fanden eine Pizzeria, die bereit war uns kurz nach Mittag mit Essen zu versorgen und überbrückten die Zeit mit dem ersten Kaffee / Bier. Da es nicht vorm Abend regnen sollte, wir fit waren und es auch noch früh war, wollten wir auf jeden Fall weiter gehen. Somit brauchten wir eine Unterkunft in Ceresole Reale und die Telefoniererei ging los. Wir wussten bereits von Simone, dass das Posto Tappa, also die offizielle GTA Unterkunft, keine Doppel- oder Einzelzimmer mehr frei hatte, nur mehr Mehrbettzimmer. Ich brauchte aber unbedingt mal eine Nacht zum Durchschlafen, also ein Zimmer für mich. Das stellte sich aber als problematisch dar, das meiste war ausgebucht. Wir hatten als Notfallsplan ein Einbettzimmer für 70,-, wobei Thomas dann ins Posto Tappa gehen würde und ein Mobilheim am Campingplatz. Plan A war aber zuerst mal das Posto Tappa zu inspizieren.

Am Weg wurde richtig Sightseeing gemacht. Wir gingen durch die verlassenen Dörfer und besichtigten die alten, verfallenen Steinhäuser. Richtig schade und traurig, aber auch verständlich, denn hier zu leben zahlt sich einfach nicht mehr aus. Die Dörfer sind seit über 60 Jahren leer stehend. Wir sahen ein alte Schule, ein Kloster, lustige Kochstellen und Öfen und noch vieles mehr. Dazwischen immer wieder den einen oder anderen Wasserfall bis die Krönung im Cascada del Rock kam. Danach hieß es nur noch bergauf bis auf 2004m und dann direkt zum Abstieg ins Endziel des heutigen Tages. Das Stück bergauf war zwar weder sehr hoch, noch sehr viel, denn es handelte sich nur mehr um 500Hm, aber nach einem ganzen Tag unterwegs war es schon eine Herausforderung. Ab 1800Hm schauten wir ständig auf den Höhenmesser, 1899HM, 1964HM, 1980HM, …. es dauerte wirklich ewig. Dazwischen wieder ein Stückchen bergab, bis es dann endlich geschafft war und wir auf einem aufgewärmten Felsen die letze Pause machten, bevor wir zum Abstieg übergingen. Dieser war zum Glück sehr kommod, denn nicht all zu steil und die Freude dann sehr groß, als wir endlich im Ort ankamen. Dann noch ein kurzes Stückchen an der Straße entlang und ein paar Stoßgebete, dass das Posto Tappa passte, damit wir endlich nach 11h unterwegs sein die verdiente Dusche bekämen. Und es passte, wir konnten tatsächlich nur in ein Mehrbettzimmer, hatten dieses aber für uns allein und ich mein kleines Séparée, wo ich sicher gut schlafen werde und auch morgen wieder Yoga machen kann.

Und das Beste am heutigen Tag ist, dass ich einen Tag früher nach Hause komme 🙂

Tagesstatistik
zurückgelegte km: 25,5km
überwundene Höhenmeter: 1780 bergauf / 1310 bergab
höchster Punkt: 2004m – kurz vor Prá del Cres
tiefster Punkt: 880m – Prà
Stunden unterwegs: 11h

absolvierte Stages: 2
gefundene Geocaches: 0
davon T5: 0

Kosten: 42,-
Übernachtung inkl. Halbpension: 32,-
Mittagessen: 10,-
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Fotos von heute
zur Unterkunftsbewertung
Fonti Minerali
Route auf Komoot

Route

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1 Comment
  1. Antworten

    K2

    Juli 6, 2017

    Respekt !
    Die Etappen-Parameter klingen ganz wie Steiermark – nur sind das dort Einzeletappen 😉

    Liebe Grüße von der Planneralm,
    K2.

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Höhe statt Ferne

zur StoryView more

2017 war für mich das Jahr der weiten Wanderung – in 100 Tagen ging ich von Graz nach Monaco.

Als ich damals im Piemont am Monte Rosa vorbeigewandert bin, wusste ich … irgendwann werde ich diesen Gebirgszug nicht nur aus der Ferne betrachten. Aus “irgendwann” wurde “sehr bald” …

… und so habe ich 2018 meine Prioritäten anders gelegt und mich unter dem Motto “Höhe statt Ferne” kürzer, dafür höher nach oben orientiert und auf einer zweitägigen Tour meine ersten 4.000er Gipfel bestiegen und auf der höchsten Berghütte Europas übernachtet.

In meinem Tagebuch kannst Du über dieses besondere Erlebnis nachlesen.

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