Ein Sommerspaziergang Phase 2

Mit oder ohne Hunde

By on Juni 3, 2017

Nach der Solowanderung am Donnerstag kamen natürlich wieder die Gedanken, ob es denn nicht viel einfacher ohne meiner Begleiterinnen wäre. Einfacher ja, aber besser?

Wenn ich eine +|- Liste erstellen würde, würden die Nachteile überwiegen, das ist unumstritten. Angefangen von den Problemen mit den Unterkünften, den öffentlichen Verkehrsmitteln, dem unmöglichen Autostopp, über die Nahrungsversorgung bis hin zur Erschwernis bei den Wanderungen selbst. Wir gehen aus der Unterkunft raus und 10 Min später sind die zwei so in ihre Leinen verwickelt, dass ich gut 2 Min zum Entwirren brauch. Warum? Weil sie spielen und das erfreut mein Herz, denn das bedeutet, dass es ihnen gut geht.

Als ich am Donnerstag dann allein ins Apartment zurück kam, war die Freude der beiden so groß, dass die Gedanken an eine Wanderung ohne Hunde sofort weg waren. Es ist so schön, wenn sich jemand über einen freut, wenn man jemanden hat der einen begrüßt. Es fängt schon in der Früh an. Ich werde nicht in einem leeren Zimmer munter, sonder werde von vier verschlafenen wunderschönen Akitaaugen begrüßt und kann laut “Guten morgen, meine Süßen” sagen. Dann bekomme ich sogar manchmal einen Schlecker von Ryoko. Diese werden allerdings seltener, keine Ahnung warum. Sie wirkt allgemein etwas ruhiger, vielleicht auch müde 🤔
Beim Yoga spätestens ist sie dann allerdings munter genug, um die ungünstigen Posen für ein Guten-Morgen-Bussi auszunützen. Sie weiß genau, wann ich mich nicht wehren kann 😜

Am Abend, auch wenn es oft mühsam und sehr zeitintensiv ist, ist es schön für sie etwas zum Essen herzurichten und zuzusehen, wie es ihnen schmeckt. Es ist eine Herausforderung sie trotz der Umstände so gesund zu ernähren, wie zuhause und auch wenn es nicht gerade günstig ist, freue ich mich immer, wenn ich für sie gutes Fleisch, Biogemüse und sogar Innereien besorgen kann.

Bei den Wanderungen selbst raufen wir uns auch langsam zusammen. Ryoko lässt sich sogar für ein Foto mal abhängen ohne gleich ihre Freiheit auszunützen und abzuhauen. Klar, wenn dann aber ein Ziegenbock wie gestern quasi vor ihren Füssen aus einem Gebüsch springen würde, da kann nicht mal Vaishavi widerstehen. Das ist halt so, das sind eben Hunde. Aber ich hab jemanden mit dem ich die Route besprechen und meine Entscheidungen diskutieren kann und sie sind immer einverstanden … nein nicht immer, Ryoko hat doch meist andere Routenvorstellungen 😉

Was aber unbezahlbar ist, sind ihre Trösteinheiten. Mir geht es nicht immer super. Es gab einige Tiefs. Während dem Gehen ist immer wieder Zeit zum Nachdenken und das stimmt mich oft traurig. Ich vermisse zuhause, ich vermisse die Babies, ich vermisse Tom. Trotzdem weiß ich nicht, wie es dann sein wird, wieder nach Hause zu kommen. Im Moment ist es unvorstellbar, im Moment habe ich das Gefühl mich immer mehr davon zu entfernen … auch wenn jetzt gerade darauf zu gehe.
Die Pupsen spüren es sofort, wenn sich bei mir Trauer breit macht und kommen her und fordern ihre Streicheleinheiten ein und drücken mir ihr Schnauzen in die Hand ❤️

Also ja definitiv mit Hunden!!!!

Und somit sind wir drei heute in der Früh los, um die nächste Herausforderung zu meistern, nämlich nach Chiareggio zu gelangen.
Wenn am Weg auch noch eine Schiffsverbindung gewesen wäre, hätten wir die auch genommen. So war es nur

  • 8.05 Bus nach St.Moritz
  • 8:48 Zug nach Tirana
  • 11:08 Zug nach Sondrio
  • 12:30 Bus nach Chiesa Vassalini
  • 13:15 Taxi nach Chiareggio

Auf die Idee mitm Taxi kam ich durch einen Wanderblog, den ich gestern Nacht noch im Netz entdeckt habe. Ein Pärchen, das hie rin der Gegend unterwegs war hatte ein ähnliches Problem mit dem nichtfahrenden Bus in der Nebensaison und sie haben dann ein günstiges Taxi gefunden. Müssen wohl Schweizer gewesne sein, denn es hat 30,- gekostet.

A ja, wir sind ja wieder in Italien. Wie ich heute am Bahnhof für einen Latte Macchiato nur 1,50 gezahlt habe, hab ich mich auch sehr gewundert, nach den durchschnittlich 4,- der letzten Tage.

Dann kam die Unterkunftssuche, von denen gibt es hier einige. Chiareggio scheint überhaupt ein sehr nettes Steinstädtchen zu sein. Die erste wollte uns allerdings nicht oder hatte wirklich kein Zimmer mehr, Cafe mit Übernachtungsmöglichkeit haben wir auch keines gefunden. In der zweiten durften wir aber um 35,- mit Frühstück bleiben.

Also schnell den Rucksack auf eine leichte Hin- und Zurückwanderung mit möglichem Regen umgepackt und quasi rauf gelaufen, aus Angst naß zu werden. Aber da der angesagte Regen nur ein angenehmer Niesel war, gab es heute am Rückwege eine Prämiere. Da ich die Strecke kannte und auch erst als wir aus dem Murmeltiergebiet raus waren, durfte Ryoko zum ersten Mal seit wir in Graz weggegangen sind ohne Leine laufen. Und es hat geklappt! Die zwei hatten soooo viel Spaß. Würmchen ist immer wieder vor gelaufenen aber nur ein bisschen und hat dann tatsächlich auch auf mich gewartet oder auf die Leckerlies, das hinterfragen wir hier mal nicht 🙂

Aber es gibt wieder ein Fünkchen Hoffnungen für sie und für mich und für unseren gemeinsamen Sommerspaziergang.

Panorama 03.06.2017

Tagesstatistik
zurückgelegte km: 10,4
überwundene Höhenmeter: 490 bergauf / 500 bergab
höchster Punkt: 2101m – Am Wanderweg Richtung Passo Muretto
tiefster Punkt: 1601m – Chiareggio
Stunden unterwegs: 3

absolvierte Stages: 1
gefundene Geocaches: 1
davon T5: 0

Kosten:
davon Übernachtung: 35,-
Essen für Tiere:
Links

Fotos von heute
zur Unterkunftsbewertung
Albergo Genziana
Route auf Komoot

Route

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11 Comments
  1. Antworten

    Volker

    Juni 3, 2017

    Ok das ist schon eine Antwort. Ich werde mir in Chiareggio also ein Zimmer suchen. Bis 40 Euro ist das auch für mich machbar.

  2. Antworten

    weltraumaeffchen

    Juni 3, 2017

    hi,

    das heutige Panoramafoto ist zwar nichts besonderes, aber ich habe auf meinem iPhone ganz viele coole gefunden –
    gibt’s also ab heute dann öfters dazu, werde auch ein paar nachtragen, damit das dem Pfeilchen folgen nicht umsonst war.

    Gutes Nächtle, Ania.

  3. Antworten

    Martin

    Juni 3, 2017

    “Neben der Kirche” ist in Chiareggio keine unschaffbare D-Wertung … 🙂

    • Antworten

      weltraumaeffchen

      Juni 3, 2017

      Neben der Kirche hatte ich nicht mehr im Kopf nur Cafe in Chiareggio, weißt eh als Kaffeejunkie merkt man sich nur die wesentlichen Dinge bzw. in diesem Falle dann eben nicht wesentlichen Dinge. Dachte mir eh, dass Du das meinen könntest, hat nämlich nett ausgeschaut, auch wenn es definitiv als Pizzeria angeschrieben war 😉

      Vorteil ist: Volker jetzt zwei zur Auswahl 😉

    • Antworten

      Martin

      Juni 3, 2017

      Ich hatte Blick auf den Glockenturm 🙂

      http://www.vergissmi.net/wp-content/uploads/2016/08/20160807_160118_HDR-1024×576-2.jpg

  4. Antworten

    Apollo

    Juni 5, 2017

    Nachdem die Herren Geocacheweitwanderer sich lediglich über Unterkünfte und Aussichten unterhalten, beziehe ich mich (ungefragt, wie das in einem öffentlichen Blog möglich und üblich ist) mal auf die emotionale Message dieses Tages.
    Denn diese ist zumindest zum Teil das Fundament dieses Eintrages und Ania’s Spaziergang im Allgemeinen.

    Ania wählt so weit ich das beurteilen kann selten den leichteren Weg. Meist muss es schon der perfekte Weg sein, der praktisch immer aufwändiger ist. Egal ob Hundefütterung, Festorganisation, Auswahl des passenden Rüden für die Zucht etc. Stets gibt es noch ein Topping, das es zu erfüllen gilt.

    Auf ihre Wanderung umgelegt sind das: die Flauschis, das Bloggen, die Fotos, die Bilder, das Yoga, die 7Minutes. Man würde also meinen, sie macht es sich wieder mal selbst schwerer als nötig. Aber wenn man es genauer beleuchtet, sieht es nicht mehr ganz so aus:
    Die 7Minutes waren eine gute Vorbereitung für das anstrengende durch den Schnee spazieren, das Yoga tut dem Körper ohnehin gut und am Besten wirkt es nun mal wenn es regelmäßig gemacht wird, die Flauschis lassen Ania sich nicht so alleine fühlen auf einer Reise, die sie alleine macht, der Blog scheint unter Weitwanderern bereits Usus zu sein und das Bedürfnis sich zu quantifizieren ist bei Ania wohl nicht neu, wie auch die Leidenschaft für schöne Bilder und diese auch teilen zu wollen. Ania kommt nun mal nicht raus aus ihrer Haut, auch wenn sie sehr weit weg von Zuhause ist. Sie braucht sie ja auch. 😉

    Der Umstand, dass sie offensichtlich jahreszeitlich etwas zu früh dran ist für diesen Spaziergang bringt sie laufend in die Situation irgendwo im Schnee festzustecken oder in verschlossene Hütten nicht einkehren zu können. Im Nachhinein gibt das alles gute Geschichten.
    Aber eigentlich ist Ania momentan nicht auf der Suche nach Geschichten.

    Derzeit sucht sie einen Cache und ein Gefühl.
    Der Cache ist ja schon sehr schwer zu finden. Aber im Vergleich zum Gefühl ein Leichtes.

    Die Schwierigkeit bei dem Gefühl ist nun mal, dass man es nicht wie beim Cache aktiv suchen kann. Zum Cachen ist das Kopfzerbrechen sinnvoll, bei der Suche nach dem richtigen Gefühl ist es total im Weg.

    Das Gefühl kann das Herz nur finden wenn der Kopf den Weg frei macht.

    Und die vielen Toppings beanspruchen den Kopf wohl ziemlich, sodass er sehr damit beschäftigt ist, den Weg frei zu machen.

    Deshalb wünsche ich dir, dass du weniger Leinen entwirrst, mehr geöffnete Hütten findest, weniger Schneefelder durchquerst, stets gute Internetverbindungen hast, wenig Beinübungen bei den 7Min hast und viel und oft in einfaches ödes spazieren kommst.

    Ich drücke dich feste!
    Alles Liebe,
    Apollo

    PS: Und mir wünsche ich, dass ich noch mal einen Weltraumäffchen-Sticker bekomme. Denn jetzt weiß ich einen guten Platz dafür, wo er vor Käferchen und sonstigen Einflüssen gut geschützt ist. 😊

    • Antworten

      weltraumaeffchen

      Juni 8, 2017

      Vielen Dank für Deine lieben und verständnisvollen Worte. Du kennst mich schon sehr gut. Ja, es ist für mich schwer aus meiner Haut raus zu kommen. Ich weiß nicht mal, ob ich das will. Wahrscheinlich ist es deswegen so schwer 😉

      Ich bin mit mir ganz zufrieden und möchte so bleiben, wie ich bin … ist das so falsch?

      Natürlich habe ich überlegt, ob ich irgendwas von dem vollen Programm streichen kann, denn die 6h pro Tag zusätzlich, die ich beantragt habe, bekomme ich leider nicht.

      Aber:
      – das Yoga ist nicht nur gut für den Körper, es hilft auch aufzustehen, sich auf den Tag vorzubereiten und vor allem sich zu motivieren – es tut einfach gut
      – 7Min stärken den Rest außer der Beine, sonst wäre es wohl etwas einseitig, aber ja das könnte ich streichen, vl. zumindest an den ganz harten Tagen. Andererseits hat es mir sogar nach dem Gewitter gut getan!
      – die Flauschis – das ist klar, die tun mir gut
      – die Fotos kann ich unmöglich alle erst nach dem Spaziergang durchsehen und ich kann damit die Eindrücke des Tages nochmal Revue passieren lassen. Es sind immer ganz viele Eindrücke, ohne der Fotos wären sie nur für kurze Zeit da und gleich durch die nächsten überboten. Das alles am Abend nochmal zu erleben, tut mir gut.
      – der Blog hilft, alles zu verarbeiten und gibt mir ebenfalls die Möglichkeit, alles nochmal nieder zu schreiben, auch meine Gefühle. Und es freut mich, dass mich so viele durch diese Reise auf diese Art begleiten und mir mit helfenden Worten zur Seite stehen. Egal ob mit Rat zur Route, Tipps zur Unterkunft, motivierenden oder tröstenden Worte – Ihr seid für mich da, Ihr tut mir gut!

      Danke 😘

  5. Antworten

    Volker

    Juni 5, 2017

    Es ist gut, dass dieser Blog sehr unterschiedliche Menschen anspricht. Das passiert durch Anias Vielseitigkeit.
    Ich als Weitwanderer kann mir hier Informationen holen und Martin kann diese Infos sogar mit seinen Erfahrungen bereichern. Gute Freundinnen gehen mit der Gefühlsebene mit und so entsteht ein bunter tragfähiger Teppich des Lebens.

    • Antworten

      Apollo

      Juni 6, 2017

      Das hast du schön zusammengefasst.

      • Antworten

        Martin

        Juni 6, 2017

        Apollo –
        ich will einen Blog von Dir.

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Höhe statt Ferne

zur StoryView more

2017 war für mich das Jahr der weiten Wanderung – in 100 Tagen ging ich von Graz nach Monaco.

Als ich damals im Piemont am Monte Rosa vorbeigewandert bin, wusste ich … irgendwann werde ich diesen Gebirgszug nicht nur aus der Ferne betrachten. Aus “irgendwann” wurde “sehr bald” …

… und so habe ich 2018 meine Prioritäten anders gelegt und mich unter dem Motto “Höhe statt Ferne” kürzer, dafür höher nach oben orientiert und auf einer zweitägigen Tour meine ersten 4.000er Gipfel bestiegen und auf der höchsten Berghütte Europas übernachtet.

In meinem Tagebuch kannst Du über dieses besondere Erlebnis nachlesen.

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