Gastbeitrag Phase 4 Wuffis

Heimreise auf Raten

By on Juli 21, 2017

Vorübergehender Abschied

Nach dem Pausentag hieß es gestern wieder früh aufstehen. Ich packte vorläufig das letzte Mal meinen Rucksack und wir bemühten uns, genau darauf Acht zu geben, dass Ania alles mit hat, was sie braucht und ich alles mitnehme, das mittlerweile entbehrlich wurde. Das betraf natürlich vor allem die Sachen für die Pupsen (Futterschüsseln, Klettergeschirr, Notfall-Trockenfutter, Leckerlies, etc.), aber auch z.B. Anias Regenjacke nahm ich mit, bei de n hohen Temperaturen ist der Poncho ausreichend. Danach schlangen wir noch schnell das vorbereite Frühstück runter und dann war auch schon pünktlich um 5:45 der “Sherpa-Bus” da.

Die Verabschiedung fiel dann sehr kurz aus. Es sind ja “nur” 10 Tage …

… viel zu lang. 🙁

Italienische Öffis

Ich hatte schon die ganze Zeit Bammel davor, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zum Auto zurück fahren zu müssen. Mit meinen paar Brocken italienisch und den wiederum eher mangelhaften Fremdsprachenkenntnissen der Italiener, ist die Gefahr groß, dass ich nur “Statione” verstehen würde, wenn ich eine Auskunft brauche.

Eine wesentliche Erschwernis war ja noch, dass ich jetzt die Wuffis mit hatte, was ja so nicht geplant war. Noch dazu habe ich nach ihrem Heimaturlaub vergessen, die Beißkörbe umzupacken. Ania hat diese aber nie gebraucht, dennoch war es ein unbekanntes Risiko.

Das erste große Problem herauszufinden, wie ich denn überhaupt fahren muss, hat die Webseite rome2rio.com gelöst. Dort bekam ich eine genaue Aufstellung, welche Verkehrsmittel und auch deren Fahrpläne.

Die Annahme, dass die Fahrpläne aufgrund der nachgesagten südländischen Ungezwungenheit vielleicht nur grobe Anhaltspunkte sein könnten, hat sich jedenfalls nicht bestätigt. Alle Verkehrsmittel waren pünktlich auf die Minute. So auch gleich mal der erste Bus, der mich von Acceglio, wo mich das Sherpa-Taxi hinbrachte, nach Cuneo brachte. Die Wuffis waren kein Problem, der Busfahrer begrüßte sie herzlich. Sie waren dann ein wenig arm, weil sie aufgrund der kurvigen Straße etwas am Boden herumrutschten, ich habe sie dann aber mit meinen Beinen stabilisiert. Allerdings musste ich dafür auf dem Notsitz sitzen, der aufgrund der merkwürdigen Ergometrie kein aufrechtes Sitzen zuließ, höchstens bequem für Gollum aus Herr der Ringe.

Nach knapp zwei Stunden anstrengender Fahrt waren wir dann in Cuneo. Von dort ging es weiter nach Turin. Die Dame am Ticketschalter verkaufte mir drei Tickets, meinte aber, man darf nur einen Hund pro Person mitnehmen.  Das hab ich mal gekonnt ignoriert. Schlimmstenfalls hoffte ich auf die Hilfe irgendwelcher mitreisenden Italiener, die vielleicht eine kurzfristige Patenschaft übernehmen würden. Für den Schaffner war das dann aber gar kein Problem. Etwas mühsam war nur, dass wir den direkten Zug verpasst haben und einmal in Fossano umsteigen mussten. Wir haben in beiden Zügen aber gute Plätze gefunden.

In Turin mussten wir mit einem Bus den Bahnhof wechseln, was prinzipiell problemlos war (nachdem ich mit Google Maps die richtige Station gefunden habe). Nur zum Ticket kaufen sind wir zum Leidwesen der Pupsen etwas im Kreis gelaufen.

Am Bahnhof Turino Doro habe ich mich dann sogar getraut, sie kurz alleine zu lassen, um meine Pipipause zu erledigen (ihre hatten wir schon abgehakt).

Der Zug dort war bis Germagnano angeschrieben, wo ich hin musste. Es sind dann aber gleich alle zusammengelaufen, um mir zu erklären, dass der Zug doch nur nach Cirié fährt und von dort ein Schienenersatzverkehr weiter geht. Für diesen Bus würde ich aber einen Beißkorb brauchen. Ich war aber bis dahin ohne ausgekommen und habe gehofft, dass der Fahrer das eventuell nicht so eng sieht. Dem war aber nicht so. Obwohl auch die anderen Fahräste Sympathie zeigten, blieb er beinhart. Ohne Maulkorb kein Einsteigen in den Bus. Worauf ich mich mit Rucksack und Wuffis in der ärgsten Mittagshitze in der Stadt aufmachte, um ein Tiergeschäft zu suchen. Nach einem Tipp einer Einheimischen und einem Kilometer am heißen Asphalt habe ich mich erstmals über das Erblicken eines Royal Canin Schildes gefreut. Unter Zeitdruck kauften wir zwei Plastik-Beißkörbe und hetzten zum Bahnhof zurück. Es ging darum um 13:15 den Anschluß nach Usseglio zu erwischen, der nächste Bus ging erst um 17:15. Nachdem uns gerade der nächste Bus vor der Nase davon fuhr, versuchte ich noch mein Glück bei einem Taxifahrer. Der meinte aber, 13:15 geht sich unmöglich aus. Als dann 20 Minuten später der nächste Schienenersatzverkehr mit uns drinnen los fuhr und er zügig nach Germagnano fegte, kamen wir interessanterweise dort um 13:10 an. Der Taxifahrer war wohl nicht sehr geschäftstüchtig, sehr langsam oder kein Hundefreund.

Somit erreichten wir doch noch den frühen Bus nach Usseglio, wo wir um 14:15 ankamen.

Kurze, aber heftige Abschlusstour

Nach einem schnellen Getränk begannen wir um 14:30 den Aufstieg zum Stausee. Beim Auto abstellen sind wir ja die Straße gefahren, ich kannte also die Route nicht, nahm aber an, dass sie parallel zur Straße führen würde (im Wanderführer war das glaube ich auch so beschrieben) und somit nicht so schlimm wäre. Nun, so kann man sich täuschen. Der Aufstieg war trotz der Kürze das Heftigste, was ich in den 10 Tagen hier erlebt habe. Im unteren Bereich war der Wanderweg sehr schlecht gekennzeichnet, aber irgendwie fanden wir unsere Pfade. Nach dem ersten Drittel war dann auch die GTA angeschrieben und ich freute mich schon. In Komoot ließ sich die Route nämlich nicht planen, irgendetwas störte ihn da. Als der Weg dann immer steiler und steiler wurde, wunderte ich mich dann trotz der guten Markierungen. Das Positive war, dass wir kein einziges Mal auf der Straße gingen, das Negative, dass der Weg teilweise so steil war, dass ich aufrecht stehend mit der ausgestreckten Hand den Hang berühren konnte. Wir hatten zwar schon öfters solch steile Passagen, aber dort ging es immer in Serpentinen hinauf, hier jedoch direkt. Ich hatte auch meine Stöcke hinten am Rucksack, weil ich mir dachte, es ist ja eh nur ein kurzes Stück. Die vielen lästigen Fliegen ließen ein Verweilen, um sie zu holen, nicht zu. Während Ryoko im unteren Teil noch durch die Hitze gebremst war, wollte sie hier nur noch vor den Fliegen flüchten und zog den Berg rauf, während ich hinterher jappelte. Meine Lunge pfiff aus dem letzten Loch und mein T-Shirt war nass geschwitzt.

Der Wanderweg führte etwa 100 supersteile Höhenmeter zum Laghi Falin, dessen Anblick ich aber nicht wirklich mehr genießen konnte. Gleich darauf ging es wieder bergab. Ich wollte nur mehr zum Auto. Zudem fing es auch noch leicht zum Tröpfeln an. Es war aber gerade schwach genug, dass ich den Poncho nicht brauchte.

Das Tempo war weiterhin hoch. Nachdem wir den Fliegen entkommen sind, waren es wieder die Murmeltiere, die es zu verfolgen gab. Die Wuffis zogen mit hoher Geschwindigkeit den Berg rauf und nach 2:20 sind wir endlich beim Auto angekommen (Koomi hätte für die 7,7km und 620hm ca. 3h gerechnet). Keine Sekunde zu früh, denn exakt in diesem Moment gab es einen Wolkenbruch vor dem wir uns gerade noch in Deckung brachten. Wir hatten also auch hier Glück mit dem Timing.

Heimfahrt

Nach 9h Fahrt- bzw. Gehzeit, mit 8 Verkehrsmitteln haben wir also unseren Ausgangspunkt wieder erreicht. Bei Anias Route war das nicht möglich, weil ich mich an sie anpassen musste, aber prinzipiell sollte man bei mehrtägigen Wanderungen definitiv vorher planen, wie man halbwegs einfach wieder zum Auto gelangt. 😉

Die restliche Fahrt nach Wien war dann mühsam, weil mit 11h reine Fahrtzeit lange, aber ohne nennenswerte Ereignisse.

Was tut sich an der Front?

Ania geht es gut,  sie hatte heute eine lange Tour von der sie morgen berichten wird.

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2 Comments
  1. Antworten

    Babsy

    Juli 22, 2017

    gut gemacht! ich hatte mir schon sorgen gemacht weil ich von deiner rückreise nix gehört hatte und ania auch nicht gepostet hat, aber jetzt ist alles gut!
    das war ja eine odyssee!
    die pupsen werden gut geschlafen haben bei der rückreise- nehme ich an!

  2. Antworten

    Cose

    Juli 22, 2017

    Du Armer! Das hört sich sehr mühsam an… aber zum Glück alles gut gegangen…

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Höhe statt Ferne

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2017 war für mich das Jahr der weiten Wanderung – in 100 Tagen ging ich von Graz nach Monaco.

Als ich damals im Piemont am Monte Rosa vorbeigewandert bin, wusste ich … irgendwann werde ich diesen Gebirgszug nicht nur aus der Ferne betrachten. Aus “irgendwann” wurde “sehr bald” …

… und so habe ich 2018 meine Prioritäten anders gelegt und mich unter dem Motto “Höhe statt Ferne” kürzer, dafür höher nach oben orientiert und auf einer zweitägigen Tour meine ersten 4.000er Gipfel bestiegen und auf der höchsten Berghütte Europas übernachtet.

In meinem Tagebuch kannst Du über dieses besondere Erlebnis nachlesen.

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